Können ersteigert werden: Die sowjetische Raumkapsel (Schätzpreis: 700 000 Euro bis 1,4 Millionen Euro) und zwei Raumanzüge der UdSSR (Schätzpreis: je 55 000 Euro bis 60 000 Euro).

Versteigerung in Brüssel

Das Weltall für daheim

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Brüssel - Es ist ein Stück Raumfahrtgeschichte, das am 7. Mai in Brüssel unter den Hammer kommt: Das Kunsthaus Lempertz wird seine Niederlassung in der belgischen Hauptstadt mit der Versteigerung einer sowjetischen Raumkapsel eröffnen.

Nach Angaben des Hauses ist es erst die zweite Auktion dieser Art überhaupt – und die erste in Europa. Aufgerufen wird eine VA-Raumkapsel, die zweimal im Orbit war. „VA“ steht für Vozvraschaemyi Apparat, was übersetzt „Rückkehrfahrzeug“ bedeutet: Der Erstflug fand am 17. Juli 1977 von Baikonur aus statt; am 17. August 1977 kehrte die Kapsel zur Erde zurück. Der zweite, ebenfalls unbemannte Flug datiert auf den 30. März 1978 und dauerte 90 Minuten, einmal um die Erde. Die Kapsel gehörte zum Almaz-Projekt, einem militärischen Raumfahrtprogramm der UdSSR. Sie konnte drei Mann Besatzung transportieren – oder Spionagekameras.

Das Vehikel, das 2,2 Meter hoch und 1,85 Tonnen schwer ist sowie einen Durchmesser von 2,8 Metern hat, kommt aus den USA zu Lempertz: Die Firma Excalibur Almaz, die private Weltraumflüge anbieten will, nutzte das Gerät als eine Art „Werbegag“, wie Kilian Jay von Seldeneck von der Berliner Lempertz-Niederlassung im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert. Gekauft habe das Unternehmen die Kapsel seinerzeit direkt in Moskau – „inzwischen sind die Russen sehr viel zurückhaltender“, berichtet von Seldeneck. Das Kunsthaus nennt die Spanne von 700 000 Euro bis 1,4 Millionen Euro als Schätzpreis für das Objekt – und bietet in Brüssel unter anderem auch zwei russische Sokol-KV-2-Raumanzüge an, die 1996 und 2003 im All waren (Schätzpreis jeweils zwischen 55 000 Euro und 60 000 Euro).

Als potenzielle Käufer sieht von Seldeneck etwa privat getragene Technikmuseen (wie das Technik Museum Sinsheim und Speyer) oder private Sammler: Schließlich sei die noch flugfähige Kapsel eine „geniale Ingenieurleistung, technisch und ästhetisch ein Wunderwerk – wie eine kostbare Renaissanceuhr –, im Wettstreit der beiden politischen Systeme entstanden und daher noch mit einem Hauch von James Bond!“

Diese Begeisterung kann Matthias Knopp durchaus nachvollziehen: Er leitet im Deutschen Museum in München die Hauptabteilung Luft-, Raumfahrt, Schifffahrt und betreut als Kurator das Spezialgebiet Raumfahrt. Die angebotene Kapsel sei ein „interessantes Stück, vor allem für ein Museum“, sagt Knopp, obwohl der Auktionspreis den Ankaufsetat seines Arbeitgebers sprengen würde.

Von der Bauart her unterscheide sich die angebotene Kapsel des Almaz-Programms von den russischen Sojuskapseln: Während diese kugelförmig sind, hatte sich die UdSSR beim Bau der VA-Raumkapsel für Almaz am kegelförmigen Design ähnlicher Objekte der US-Raumfahrt orientiert. Den Wissenschaftler stört indes etwas anderes: „Eine Kapsel sieht nach der Landung ganz schön verbrannt aus“, erklärt er. In Brüssel wird jedoch ein Vehikel mit sauberer, weißer Lackierung und dem Schriftzug des Vorbesitzers zu ersteigern sein: Da die „letzten Gebrauchsspuren“ nicht konserviert wurden, sei aus wissenschaftlicher Sicht die Kapsel in ihrem „technisch-historischen Wert geschmälert“, urteilt der Museumsmann.

Michael Schleicher

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