Weltberühmter Musik-Botschafter

- Seine Gründung 1954 in München erwies sich als Glücksfall. Schnell breitete sich sein Ruhm in alle Welt aus, und bis heute ist er ein wichtiger musikalischer Botschafter Bayerns geblieben: der Münchener Bach-Chor. Ein halbes Jahrhundert lang zählt der aus dem "Heinrich Schütz-Kreis" hervorgegangene Chor, den Karl Richter seit 1951 leitete und den er 1954 in Münchener Bach-Chor umbenannte, inzwischen zu den führenden Chorvereinigungen Deutschlands. Seine Interpretationen der Chorwerke Johann Sebastian Bachs setzten Maßstäbe.

<P>Während der Ära Richter wurde München zu einer Art Bach-Zentrum, hier ließ der gebürtige Sachse die große Tradition mit Leipziger Prägung entstehen beziehungsweise fortleben. Der Bach-Chor sollte eine Parallele zu den Leipziger Thomanern sein. Als Karl Richter am 15. Februar 1981 starb, endete die außergewöhnliche Verbindung, die das enthusiastische Miteinander von Bach-Chor, Bach-Orchester und Dirigent ermöglicht hatte. Mitglied in diesem weltberühmten Laienchor zu sein, war und ist noch heute eine Auszeichnung. <BR><BR>Enthusiasmus der Laien<BR><BR>Der Ruf vom damals "jungen Wilden" Richter erreichte auch das spätere Chormitglied Brunhilde Thauer 1958 als "blutjunges Ding", wie sie sagt. Nach einem Konzert von Richter und dem Chor im Herkulessaal stand für sie fest: "Da will ich hin." Sie nahm  die Hürde der noch heute berühmt berüchtigt schwierigen Aufnahmeprüfungen in den Chor und singt dort nach wie vor. Konzerte mit Richter waren, so Brunhilde Thauer nie Routine. Wer als junger Mensch in den Chor kam und davon fasziniert war, der richtete auch sein Privatleben danach aus. Der Chor hatte Vorrang. Kein Wunder, dass da so manche Chor-Ehe entstand. <BR><BR>Durchaus professionell mutet das Pensum von 40 bis 45 Konzerten pro Jahr an, die der Chor unter Richter absolviert hat. Für Peter Holzer, seit 1965 aktives Chormitglied und heute im Vorstand, waren diese Reisen neben Studium und Beruf immer spannend. Unumwunden gibt er zu, dass sich die Entwicklung des Chores bis heute vor allem auch durch eine Außenprägung verändert hat. "Wir waren damals die Einzigen, waren sehr gut, deshalb war alles relativ einfach. Für das Auswärtige Amt bestritten wir die ganzen Auslandsreisen. Mittlerweile sind viele großartiger Kirchenmusiker und Kirchenchöre nachgewachsen. Selbst die Entwicklung der historischen Aufführungspraxis hat dem Bach-Chor Hörer abgezogen. Auch wenn die Musik gleich geblieben ist, das Umfeld wurde aufgrund des großen guten Angebotes schwieriger."<BR><BR>Drei Jahre ließ man sich 1981 nach dem Tod Richters Zeit, bis endlich Hanns-Martin Schneidt als neuer Leiter verpflichtet wurde. Behutsam wurde das Repertoire auch in Richtung geistlicher und weltlicher zeitgenössischer Vokalwerke erweitert. Auf die Nachricht vom Ausscheiden Schneidts 2001 meldeten einige Dirigenten ihr Interesse an der Leitung des Traditionschores an, doch das 50-jährige Jubiläum muss der Bach-Chor ohne festen Chef feiern. Derzeit stagnieren die Verhandlungen mit dem Wunschkandidaten Ralf Otto. Da der Chor nichts zahlen kann, ist für den zukünftigen Leiter eine feste Stelle nötig. Sowohl Richter als auch Schneidt hatten Professuren an der Münchner Musikhochschule. Weil die bayerische Musikhochschullandschaft derzeit im Umbruch ist, ist es schwierig, eine neue Stelle zu schaffen. Im Chor hofft man nach wie vor auf Ralf Otto.<BR><BR>Der Enthusiasmus der Mitglieder ist ungebrochen. Bis zur Benennung eines neuen Chefs hat Philip Amelung die kommissarische Leitung der Probenarbeit übernommen. Für die Zukunft wünscht sich Peter Holzer, dass neben den großen Aufführungen im Gasteig, auch die a-capella Konzerte in der Markus- oder Michaelskirche noch mehr Zuspruch finden.</P>

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