Welten-Klänge

- Im Zentrum des früheren Altarraumes der Allerheiligen Hofkirche empfing den Besucher des Konzertabends von Leonid Chizhik im Rahmen der "Between Cultures"-Reihe des Münchner Klaviersommers ein auf Hochglanz polierter Bösendorfer Flügel. Und das bescheidene Auftreten des Weltklasse-Musikers zeigte wieder einmal, dass wahre Kunst und Religion in der Tat gar nicht weit voneinander entfernt sind.

"Ich habe kein festes Programm, was ich spiele, ist ein Prozess. Was passiert, das kommt, und ich habe auch noch keine Ahnung, was kommt." Mit diesen Worten begrüßte er sein Publikum.

"Jazz meets World Music", so der Titel seines Solo-Programms. Dies soll jedoch nicht heißen, dass Leonid Chizhik sich einfach an die Ethno-Pop-Mode anhängt, sondern er lässt sich von Volksliedern verschiedener Länder zur eigenen Kreation und Improvisation anregen. Faszinierend, wie er, souverän und virtuos, den jeweiligen Volkscharakter unaufdringlich und fern von Klischees herauszuarbeiten vermochte. Chizhik improvisierte Titel wie: "Gleichklang der Glocken" (Russland), ein türkisches Hochzeitslied, bei dem man die Tänzer vor seinem geistigen Auge sehen konnte, das populäre Lied "Schwarze Augen" (ausgesprochen raffiniert gestaltet), ein deutsches Karnevalslied und andere.

Besonders beeindruckend war die Interpretation des amerikanischen Songs "Swanny River", bei dem man die Weite des Landes, Melancholie, Freundlichkeit, aber auch eine gewisse Oberflächlichkeit der amerikanischen Seele spüren konnte, und darauf folgend, das japanische Volkslied "Sakura".

Die viel härteren, abgezirkelten und fast ein wenig eckigen Tonfolgen ließen Assoziationen wie japanische Philosophie, genau festgelegte Sitte, aber auch die Kampfkunst der Samuraikrieger, die oft in Tanz übergeht, Gestalt werden. Am besten passte in den ehemaligen Kirchenraum Chizhiks Umsetzung einer jüdischen Weise mit dem Titel "Mein Gott". Aus dem ruhig beginnenden musikalischen Preislied entwickelte sich eine drängende Forderung und Emphase an Gott, die dann doch wieder in Bescheidung endete.

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