Der Weltenwandler

- Nacht über Monkey Island/Trinidad, eingetaucht in tiefes Blau. Mittendrin blinken Lichter auf, das sind Sterne, Boote, Fenster. Und über allem ein dichter weißer Gaze-Schleier aus vertikalen Pinselstrichen. Trotzdem heißt das Bild "Black curtain" (2004): Die Dunkelheit hat alles fest in ihrem Griff - auch den Betrachter.

<P>Peter Doig in der Münchner Pinakothek der Moderne (PDM). Das sind 20 Bilder, die dazu einladen, sich in ihnen zu verlieren, das ist zwar nur eine Auswahl aus dem vielgestaltigen malerischen Werk des Künstlers, aber eine repräsentative, nur eine Annäherung, aber eine sehr ausdrucksstarke, einnehmende.<BR><BR>Ein gelber Streifen trennt den leuchtend roten Himmel von der grauen, aufgewühlten See; darin ein kleines Männchen. Der Regenwald, der hier nur ornamental am oberen Bildrand die Szene umschließt, nimmt in anderen von Doigs Ölgemälden mehr Platz ein: Zwei Hochformate zeigen einen einzelnen Krieger, von Palmen und Lianen umgeben, ein erster Mensch im Paradies.<BR><BR>Die hauptsächlich großformatigen Bilder, zum ersten Mal überhaupt in einer Ausstellung, sind in den letzten beiden Jahren auf Trinidad entstanden, die jüngsten erst im April vollendet. Dort verbrachte der 1959 in Edinburgh geborene Künstler die ersten sechs Jahre seines Lebens, bevor er nacheinander in Kanada, London, Montré´al und wieder in London lebte. Der Weltenwandler, ein Thema Doigs, ein titelgebendes für die Ausstellung und für ein zentrales Bild darin: "Metropolitain" (2004). Ein Pariser Künstler mit Schnauzer, Zylinder, Halstuch und Flickenjacke, der so aussieht, wie man auf Trinidad die Europäer karikiert: An Nase und Wangen clownesk verbrannt von der Sonne der Karibik. Groß steht er vor dem endlosen, saftigen Grün des Landes, das er vorerst nur in verschiedene, rahmende Rechtecke geteilt hat, in Erwartung seiner Bilder.<BR><BR>Farben der Karibik</P><P>Doigs Malerei lässt sehr viele, in unterschiedliche Stilrichtungen gehende Assoziationen zu: Matisse und Munch, Gauguin und Chagall. Und immer wieder Hopper, wobei Doig die in den "Pelican"-Südseeträumen (2003; 2004) selbst aufgebaute Illusion vom unangetasteten Paradies in einem "House of Pictures" (2004) entlarvt. Eine Mauer aus bunten Steinen gibt durch mehrere rechteckige "Fenster" den Blick frei auf das kräftig blaue Meer - und auf die Gefängnisinsel Carrera. Hier gab es, gibt es Zivilisation. Eine zerbrochene Bierflasche im Vordergrund, Graffiti auf den Steinen, sparsam und dezent gesetzt, wirkungsvoll, aber immer noch schön anzusehen. Auch das sei ein Teil von Trinidad, sagt Doig: die "sadness".<BR><BR></P><P>Bis 4. Juli. <BR>Katalog: 25 Euro. <BR>Tel. 089/ 23 80 53 60.</P>

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