Welterbe Donau-Limes

- Bayern und Österreicher leben nicht nur in unmittelbarer Nähe zueinander, sondern sie sprechen immer wieder auch von einer geistigen Verwandtschaft. Tatsächlich fühlt sich mancher Bewohner des Freistaats den Nachbarn im Süden oft näher als den "Preußen". Da wundert es nicht, dass die Bayern jetzt auch beim Antrag eines Welterbetitels für die Donau auf Schützenhilfe aus dem Alpenland setzen.

Der bayerische und österreichische Donau-Limes als natürliche Außengrenze des römischen Reiches soll nach dem Willen von Politikern aus beiden Ländern mit der werbewirksamen Auszeichnung der Weltkulturorganisation Unesco versehen werden.

Nach dem bebauten Grenzwall, der bis Eining im Landkreis Kelheim reichte, setzten die Römer den Limes mit der Donau als Barriere fort. Entlang des Flusses bauten sie Kastelle und Wachtürme. Heute zeugen allerdings nur noch wenige sichtbare Reste davon, etwa die dicken Mauern der Porta Praetoria in Regensburg. Sebastian Sommer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege räumt dem Projekt gute Chancen ein. "Bei der Unesco besteht ein Grundantrag für den kompletten römischen Limes." Die verbliebenen römischen Anlagen entlang der bayerischen und österreichischen Donau wären somit Teil eines künftigen zwei Dutzend Staaten umspannenden 5500 Kilometer langen Welterbes von Großbritannien bis Marokko.

Blick auf den Tourismus

Der Hadrianswall in England und der obergermanisch-raetische Wall in Deutschland von Rheinland-Pfalz bis Niederbayern gehören als Weltkulturerbestätten bereits dazu. Trotz den Bemühungen zu einem Welterbe der römischen Grenzen haben die Bayern auf der deutschen Unesco-Antragsliste keine Chance. Die Plätze darauf sind bereits auf viele Jahre im voraus vergeben. Mehrere CSU-Landtagsabgeordnete verfolgen daher die Idee, dass Österreich bei seiner Bewerbung auch den bayerischen Teil des Donau-Limes mit aufnimmt. Wenn die Nachbarn die Bayern tatsächlich eintragen wollen, müsste dazu allerdings noch ein offizieller Auftrag der Staatsregierung her. In Österreich sind die Bayern als "Trittbrettfahrer" jedenfalls willkommen.

"Das könnte man niemandem erklären, wenn das deutsche Stück nicht Welterbe ist, sondern erst der Donauteil ab der Grenze", sagt der oberösterreichische Landtagsabgeordnete Friedrich Bernhofer (ÖVP). Derzeit arbeitet der Alpenstaat an der Bewerbung für seinen Teil des Donau-Limes, der das ganze Land auf einer Länge von 340 Kilometern durchzieht. Im Jahr 2009 ist die österreichische Donau-Stadt Linz europäische Kulturhauptstadt, dann will Österreich den Titel haben.

Ob Bayern beim Antrag der Österreicher mitmachen kann, muss allerdings auch von Juristen geklärt werden. Mit dem Unesco-Titel wollen Österreicher und Bayern ihren Donau-Limes bekannter machen. Bisher wird die ehemalige römische Flussgrenze kaum beworben.Viele Denkmäler wurden überbaut, wie ein altes Badegebäude im niederbayerischen Künzing. "Es gibt keine wirklich knackigen Denkmäler", so Denkmalschützer Sommer. Ein Welterbe Donau-Limes hätte aber einen positiven Effekt für die entlang des Flusses bestehenden Museen, in denen die Geschichte erklärt wird.

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