Weltliche Schreie des hölzernen Hahns

- Mag die Frauenkirche mit ihren majestätischen "Welschen Hauben" das Bauwerk sein, das München in der Welt draußen am besten repräsentiert - den Herzen der Münchner ist schon immer eine andere Kirche näher gewesen: St. Peter zwischen Rinderund Viktualienmarkt, die älteste Pfarrkirche, im Volksmund liebevoll "Der Alte Peter" genannt. An diesem Samstag feiert die Gemeinde: Pünktlich zum Festtag der Heiligen Cäcilie wird die neue große Orgel eingeweiht.

<P>4154 Pfeifen in 57 Registern</P><P>Wenn dabei der Organist ein Register namens "Gallus petrinus" zieht, mag die Patronin der Kirchenmusik für einen Augenblick stutzen. Dann nämlich wird rechts vom Trompeten blasenden Engel auf dem klassizistischen Prospekt ein bunt gefiederter Holz-Hahn aufsteigen und eine bekannte Melodie ins hohe barocke Kirchenschiff krähen - eine eindeutig weltliche: "So lang der Alte Peter". </P><P>Was hat es mit dem schrägen Schrei auf sich? Berndt Jäger, Organist der Peterskirche, erklärt: "Es ist Brauch, dass Orgelbauer in ihre Instrumente Überraschungen einbauen. Und so hat die Orgelbauwerkstatt Klais mit dem ,Gallus petrinus, dem ,Hahn des Hl. Petrus, ein Register geschaffen, das mit der Geschichte unserer Kirche in engem symbolischen Zusammenhang steht." </P><P>Denn ob und wie lange der Alte Peter noch stehen würde, blieb nach dem Zweiten Weltkrieg lange unklar. Schon waren Ende der Vierzigerjahre die Löcher für die Dynamitladungen gebohrt, um die Ruine zu sprengen, da wagten die Verantwortlichen doch den Wiederaufbau. Im Jahre 2000 erst wurde das große Deckenfresko im Hauptschiff rekonstruiert, jetzt setzt die neue Orgel den krönenden Abschluss - Grund genug für derlei Freudengeschrei.<BR><BR>Doch das Instrument mit 4154 Pfeifen in 57 Registern bietet auch eine Menge Seriöses. Dafür bürgt die renommierte Bonner Orgelwerkstatt Johannes Klais, die ein Werk von großer klanglicher Farbigkeit geschaffen hat - mit Erlesenem aus verschiedenen Traditionen: Soloregister wie die "Hautbois" nach dem französischen Orgelbautitanen Cavaillé´-Coll etwa oder die "englischen" Hochdrucktrompeten des so genannten und auch so klingenden "Bombardwerks".<BR><BR>Und wie lange hält so ein Prachtinstrument? "Das ist wie bei einem Haus", sagt Orgelbauer Klais. "In größeren Abständen muss man renovieren und Verschleißteile austauschen. Wenn man die Orgel gut pflegt, kann sie ein paar Jahrhunderte alt werden." Es werden also, friedliche Zeiten vorausgesetzt, noch viele Generationen von Alt- und Neu-Münchnern vom Hahnenschrei zur Andacht gemahnt oder aus der Andacht gerissen: Je nachdem, in welchem Zustand sie sich gerade befinden.</P>

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