Weltraumkunst am Münchner Altstadtring

- Dass die Kunst raus aus dem Museum, mitten auf die Straße und hinein ins Leben ging, das ist jetzt fast 90 Jahre her. Danach folgten in rhythmischen Abständen immer wieder Versuche, die hehre Kunst vom Sockel zu kippen. Ab den 60ern nutzte man dafür alle greifbaren Medien. Und heute, im Zeitalter der Massenmedien - sprengt Kunst wieder ihren Rahmen und geht noch weiter hinaus: über den Erdkreis in den Weltraum.

Der Tanz der Ideen in der Umlaufbahn -wie würde er ausschauen? Animierte Zeichnungen, Ton gewordene Bilder, bewegte Visionen in verschwimmender Realität? "Space Place: Art in Age of Orbitization", also Weltraumkunst, zeigt das ZKMax in München (Altstadtring- Unterführung an der Maximilianstraße). Die Idee bei diesem Projekt (in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe) ist nicht die visuelle Umsetzung via wabernder Bildchen, sondern die Interaktivität. Neben den bisher 400 Einträgen in der Datenbank, neben den 200 Künstlerbeteiligungen, hat jeder die Möglichkeit, mitzumachen.

Was dabei herauskommt, wird man erst sehen: Es können grauenhafte Wichtigtuereien, es können skurrile, innovative Geschichten sein. Die Grundidee ist jedenfalls Gleichberechtigung. Die Kuratoren Philip Pocock und Peter Weibel haben Sun Ras Kultfilm "Space is the Place" als Anstoß genommen. In den 60ern rebellierte er damit gegen die Missachtung der Menschenrechte. Eine stringente Linie zieht die Infobank hier bis heute: Mittels Zitate wird aufgezeigt, dass man weiter verbissen um die Vor- und Hoheitsrechte im Weltraum kämpft. Eine Art Wettrüsten außerhalb unseres Planeten, das schon mit Galilei anfing, als er im 17. Jahrhundert die Welt aus den Angeln hob und sie eben nicht mehr Mittelpunkt aller Vorstellungen war.

Jahrhunderte später zeigt ein Spiegel-Titelbild die Welt als kleinen, unbedeutenden Container. Sie ist nur noch Teil eines gigantischen Willens zur Macht. Ein Stückchen Macht und Mitspracherecht hat nun jeder Internet- und Handynutzer. Er kann Daten anklicken, ihre visuellen und akustischen Umsetzungen abrufen und seine Bemerkungen in die Umlaufbahn schicken. Die Aktion "Space Place" versteht sich lediglich als leinwandbestückte Bodenstation eines Satelliten, der Gedanken um die Welt und quer durchs All transportiert.

Bis 31. Dezember, Internet: www.orbit.zkm.de

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