Weltweit exzellenter Ruf - 200 Jahre Kunstakademie: Münchner Schmuck-Design in der Pinakothek der Moderne

München - "Des Wahnsinns fette Beute" - dieser Befund kann bei Schmuckenthusiasten durchaus zutreffen. Jetzt nennt sich so eine Ausstellung, die die Neue Sammlung, Museum für angewandte Kunst, in Münchens Pinakothek der Moderne ausrichtet. Der Blick zielt dabei auf "Schmuck an der Akademie der Bildenden Künste München: Die Klasse Künzli". Anlass zu dieser Leistungsschau ist wie bei der benachbarten Architektur-Exposition auch das 200er-Jubiläum der Akademie.

Allerdings wurde die "Fette Beute" nicht nostalgisch in der Vergangenheit erlegt, sondern wird ganz heutig eingesackt. Diese Entscheidung ist richtig, weil 1991 der Schmuck-Professor Otto Künzli (Jahrgang 1948) zur Akademie stieß. Das Können der Goldschmiede war traditionell nicht an Kunstakademien zuhause. 1935 war es aber Teil der Münchner Akademie für angewandte Kunst. Nachdem diese 1946 mit der Kunstakademie verschmolz, fand die "Klasse für Schmuck und Gerät" dort ihre Heimat. Dass die Klasse so enorm hervorgehoben wird, ist nur zu verständlich, denn ihr Ruf ist exzellent, und zwar weltweit. Ob aus Neuseeland oder Dänemark, aus Korea oder Frankreich, junge, fertig ausgebildete Handwerker bewerben sich, um in München ihren künstlerischen Weg zu finden.

Dabei geht es nicht um gängigen Schmuck, sondern um sogenannten Autorenschmuck. "Idee, Konzeption und freie Gestaltung" sind entscheidend, erläutert der Chef der Neuen Sammlung, Florian Hufnagl. Die Kostbarkeit des Materials ist unwichtig. Und das beweist die witzig inszenierte Schau, die dem Betrachter eine atemberaubende Vielfalt von Schmuck - zusammen mit einigen Gefäßen - bietet. In allen möglichen Schaukästen von schönen, alten Schrank-, nüchternen Tisch- oder Pult- bis zu 60er-Jahre-Säulenvitrinen sind die Broschen und Ringe, Ketten und Bänder, Anhänger und Ohrringe versammelt. Alle Münchner Museen "spendeten" für die Jubiläumsausstellung solche Präsentationsmöbel und damit Beifall für die Akademie sowie die Schmuck-Klasse. Denn die ist auch berühmt für ihre effektvolle Darstellung der eigenen Arbeit (Jahresausstellung der Akademie). Die unterstreicht überdies, dass eingefleischte Individualisten sehr wohl zu einer überzeugten Gemeinschaft werden können.

Hauptinspirationsquellen der 1400 Objekte von 80 Künstlern sind Naturphänomene aller Art, technische Teile, aber auch Kitsch, Werbung, Architekturmodelle, Spielzeug, Piktogramme, Mode. Und dann setzt die Verwandlung ein. Puppenhaare werden lila gefärbt, ordentlich gekämmt und zur Brosche drapiert. Reiskörner werden wie längliche Perlen in zarten Silberdraht geflochten und damit als Ketten-Zier genutzt. Bunte Stoffreste werden zu Bommeln verarbeitet, die ein Kollier bilden. Man hängt sich eine Reihe von Gelatine-Kapseln um, in denen Käfer für die Ewigkeit ruhen, oder steckt sich streng minimalistische Skulpturen an den Finger.

Humor ist Trumpf. Das heißt beim Schmuck, man macht sich über das Preziöse lustig: Für die allerwinzigsten Ohrstecker, die man in der Vitrine kaum entdecken kann, gibt es große Tragetüten. Oder eine Goldschmiedin betreibt sarkastische Familientherapie. Sie hat den ererbten Schmuck in nüchterne Beton-Kuben eingegossen.

1. März bis 18. Mai,

Katalog, Arnoldsche Verlagsbuchhandlung: 49,80 Euro; www.merkur.de/links

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