Wenn Giganten Häppchen reichen

- Zickenkriege? Scheinen nur unter Primadonnen aktuell. Und falls in diesen drei Dirigenten Neidgefühle grummeln, dann haben sie sich das nicht anmerken lassen. Vor allem nicht Zubin Mehta, der sich tätschelfreudig zeigte und gern das Ruder an sich riss. Kein Wunder, mit Pressekonferenzen anlässlich von Mega-Events hat dieser Dirigent (drei Tenöre!) die meisten Erfahrungen.

Was am 6. Juni im Münchner Olympiastadion zu erleben sein wird, stellt indes - zumindest mengenmäßig - die Abende jener Vokalkünstler in den Schatten. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (mit Mariss Jansons), die Münchner Philharmoniker (mit Christian Thielemann) und das Bayerische Staatsorchester (mit Zubin Mehta) bitten drei Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel zu einem Konzert, wie es die Welt noch nicht erlebt hat. Keine andere Stadt wuchert mit solchen Pultgiganten, da war es nur eine Frage der Zeit, wann sie mal unter dem Titel "Die drei Orchester" gemeinsame Sache machen.

Zur Unterstützung wurden Fußballfan Plá´cido Domingo, Klavier-Virtuose Lang Lang, Sopranistin Diana Damrau und ein noch ungenannter Popstar engagiert, "der nicht zwingend ein Mann sein muss", wie geraunt wurde. Gespielt werden unter anderem Häppchen aus Wagners "Tannhäuser", aus Orffs "Carmina Burana", Opernchöre, dazu Bizet, Bernstein und Gershwin, also alles, was die Klassikhitlisten hergeben. Zweimal agieren sogar Orchester und Dirigenten gleichzeitig: bei der Eröffnungsfanfare aus Strauss' "Zarathustra" und beim abschließenden "Fußball-Medley" mit "We are the champions", wobei Thielemann ganz pragmatisch vorausdachte: "Einer gibt das Tempo an, die anderen hängen sich dran."

Eine "Kultur-Ouvertüre", so Ministerpräsident Edmund Stoiber, solle der Abend zur WM bilden. "Dieses große Konzert wird ein großes Ereignis sein." Und die drei Stars gaben sich wenigstens ehrlich, was ihr Verhältnis zum Fußball betrifft. "Ein bisschen unterbelichtet" sei das, wie Thielemann sagte, durfte er doch als Klavier spielender Teenie nie seine Gelenke auf dem Bolzplatz gefährden. Mariss Jansons outete sich als Brasilien-Anhänger und bekannte immerhin, er habe Beckenbauer schon bewundert, "als er noch ganz jung war". Zubin Mehta hält es dagegen mit Cricket: "Vorgestern hat Pakistan Indien geschlagen, ich bin noch in Trauer."

Bislang wurden rund 4000 Tickets verkauft. Um schwarze Zahlen zu schreiben, müssen 25 000 abgesetzt werden. Die Bühne wird gegenüber der Haupttribüne aufgebaut, sodass 60 Prozent der Zuschauerplätze überdacht sind. Das Bayerische Fernsehen plant eine Live-Übertragung, die ARD will zwei Tage später einen Zusammenschnitt senden. Und als sicher gilt, dass sich die Künstler das Mega-Event auch mit Mega-Gagen vergolden lassen. Mehta ging einen Schritt weiter: Er habe sich vertraglich Karten fürs Spiel Deutschland-Costa Rica zusichern lassen. Was Sabine Sauer, Moderatorin der Pressekonferenz, auf die mit Gelächter quittierte Frage brachte, warum er schon wisse, wer ins Endspiel komme. Mehta: "Ich als Inder erkläre Ihnen das mal."

- Karten von 25 bis 124 Euro unter 01805/ 66 06 30.

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