Wenn die Grenzen nicht wären

Landesausstellung in Zwiesel: - Auf dem Streifzug durch die Landesausstellung "Bayern - Böhmen: 1500 Jahre Nachbarschaft" kann der Besucher den Höhen und Tiefen der gemeinsamen Vergangenheit begegnen.

Sie verheirateten ihre Adelsgeschlechter miteinander, verehrten dieselben Heiligen, lernten voneinander in Glaskunst und Malerei und wurden immer wieder zu erbitterten Feinden. In der Geschichte von Bayern und Böhmen finden sich enge Verflechtungen und fruchtbarer Austausch, aber auch Entfremdung, Schmerz und Leid. Rund ein Drittel der Ausstellung "Bayern - Böhmen: 1500 Jahre Nachbarschaft" in Zwiesel widmet sich der jüngsten Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Großformatige Fotos verdeutlichen Nazi-Terror und Kalten Krieg, Zeiten, in denen die Menschen aus beiden Regionen flüchten müssen und vertrieben werden. "Prag wurde zu einer Drehscheibe für die deutschen Emigranten in den 30er-Jahren", erläutert Rainhard Riepertinger vom Haus der Bayerischen Geschichte.

Zum ersten Mal öffentlich zu sehen ist das Original des Münchner Abkommens von 1938 zur Besetzung des überwiegend deutschsprachigen Teils der damaligen Tschechoslowakei. Stacheldraht und Uniformen tschechischer und bayerischer Beamter symbolisieren die unüberwindbare Grenze im Kalten Krieg. In Zeitzeugeninterviews berichten Deutsche und Tschechen jeweils aus ihrer Perspektive von der Vertreibung der Sudetendeutschen, dem Alltag der deutschsprachigen Böhmen in den 30ern, von Unterdrückung und Verfolgung nach dem Einmarsch der Nazis.

Den schmerzvollen Zeiten waren friedlichere Epochen vorausgegangen. So zeigt die Schau etwa einen Lüster aus Walrosszähnen aus dem Kronschatz der bayerischen Prinzessin Sophie, die 1389 den böhmischen Herrscher Wenzel IV. geheiratet hatte.

Auch das Volk war über Jahrhunderte hinweg in Verbindung. Eine Schützenscheibe erzählt vom Schmuggeln zwischen Böhmer- und Bayerwald. "Im boarischen Wald, da is lusti und fein. Wann d‘Grenzer nöt war‘n, kunnt‘s a Himmelreich sein", heißt es da. Bei Problemen halfen die Bayern den Böhmen auch mal aus. So brachten die Nachbarn während der Hussitenkriege ihren Reichsschatz nach Nürnberg in Sicherheit, versteckt unter Fischen. "Der Fahrer selbst merkte erst kurz vor Nürnberg, was er transportiert hatte", so Riepertinger.

Bayern und Böhmen rückten im 17. Jahrhundert zu einem gemeinsamen Kulturraum zusammen. So baute etwa Rudolf II. in Prag eine Sammlung von Dürer-Zeichnungen auf. Sein Hofmaler fertigte Kopien an, die in der Schau neben Originalen zu sehen sind. Zeugnisse von gemeinsamer kultureller Blüte der beiden Völker bietet die "Schatzkammer Mitteleuropas": bemalte Kelche und Pokale der böhmisch-bayerischen Glaskunst, wertvolle Monstranzen und Heiligenfiguren, die den gemeinsamen katholischen Glauben demonstrieren. Aber auch bei Essen und Trinken schaute man gern einander auf den Teller oder ins Glas. Ein Porträt zeigt den niederbayerischen Braumeister Josef Groll aus Vilshofen, den "Erfinder" des Pilsener Bieres.

Bis 14. Oktober. Täglich 9.30-17.30 Uhr. Tel. 09921/ 96 05-100.

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