Wenn der Groschen fällt

- Dass er sich als feste Größe bei den Salzburger Festspielen etabliert hat, liegt auch am Amt: Seit knapp einem Jahr ist Ivor Bolton Chef des Mozarteum-Orchesters. Und mit dem hat sich Münchens Händel-Mann inzwischen bis zu Bruckner vorgetastet. Einen Schwerpunkt von Boltons Festspielarbeit bilden aber weiterhin die Mozart-Matineen, hier naturgemäß die Wiener Klassiker. Welche Früchte das tragen kann, dokumentiert ein Live-Mitschnitt aus dem letzten Jahr.

Vom Titel her dürfte Mozarts "Davide penitente" kaum bekannt sein, beim ersten Hören fällt aber der Groschen: Mozart lieferte hier eine Bearbeitung seiner unvollendeten c-moll-Messe, erweiterte Kyrie und Gloria um zwei seiner schönsten Arien überhaupt. Dass die von Iride Martinez (Sopran) und Christoph Strehl (Tenor) mit opernhaftem Gestus gesungen werden, passt zum "neuen" Stück - schließlich dreht sich's nicht mehr um Liturgie, sondern um die theatralischeren Bußpsalmen Davids. Mit dem schmiegsam phrasierenden Salzburger Bachchor glückte eine Modell-Interpretation: lebhaft und impulsiv, analytisch immer im Dienste des dramatischen Verlaufs, mit schlanker, frischer Klanglichkeit - typisch Bolton eben, dessen Musizierlust, bei der ganz unakademisch übers Werk reflektiert wird, sofort ansteckt.

Dass das Requiem von Johann Michael Haydn, jüngerer Bruder des Klassikers, dagegen etwas abfällt, liegt nicht am Ensemble. Das tut alles für eine plastische, sehr nachdrückliche Wiedergabe. Doch verliert die düstere Majestät irgendwann an Wirkung, auch ist die musikalische Substanz relativ begrenzt. Für die freilich interessierte sich ein großer Kollege: Wer Haydns Opus hört, erkennt, was Mozart für sein eigenes Requiem verwertete.

Wolfgang Amadeus Mozart: "Davide penitente"; Johann Michael Haydn: Requiem; Mozarteum-Orchester, Ivor Bolton (Oehms); nächstes Konzert des Gespanns: heute, Felsenreitschule, 20 Uhr, u.a. Schumanns "Manfred" mit Dietrich Fischer-Dieskau.

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