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Auf Tuchfühlung mit Rubens: per Twitter plaudert der flämische Maler über sein Leben und Werk.

Alte Pinakothek lässt twittern: Nachrichten vom Erklär-Bär

München - Große Kunst in kleinen Happen – das Internet macht’s möglich. Aber ist diese Kombination auch gut verdaulich? Derzeit testet die Alte Pinakothek ihren „Rubens- Twitter“ und lässt den ehrwürdigen Barock-Maler online aus dem Nähkästchen berichten.

Wir verraten, ob die Lektüre lohnt.

Twitter („Gezwitscher“) – so nennt sich eines der beliebten sozialen Netzwerke, mittels derer Internet-Nutzer weltweit miteinander kommunizieren können. Maximal 140 Zeichen darf ein Eintrag lang sein – für einen hohen Informationsgehalt spricht das nicht gerade. Die Nützlichkeit kann man dem Kurz-Nachrichtendienst dennoch nicht absprechen. So gelang es etwa während der iranischen Massen-Proteste im vergangenen Jahr per Twitter, die staatliche Internet-Zensur zu umgehen und das Ausland über repressive Maßnahmen der Regierung zu informieren.

Twitter als Diskussionsforum, na gut. Twitter als Nachrichtendienst, bitte gern. Aber Twitter im Auftrag der Bildung? Ein Beispiel: Die Alte Pinakothek hat, begleitend zu ihrer Ausstellung „Rubens im Wettstreit mit Alten Meistern“, einen „Rubens-Twitter“ eingerichtet. „Hier twittere ich“ heißt es dort, gemeint ist natürlich der Meister selbst. Interessierte jeden Alters sollen sich so Informationen zu Leben und Werk des Barock-Malers besorgen können. Alle paar Stunden gibt es ein neues Kurztextchen, wohl dosiert, schnell konsumiert – aber auch brauchbar?

Inhaltlich liefert dieser gut gemeinte Service kaum mehr als Stückwerk, leidlich verkleistert von einem wolkig-weichen Pädagogenton. Was anfangen mit einem auf 140 Zeichen heruntergebrochenen Fastfood-Informatiönchen? Dann auch noch vorgetragen in einem flauschigen Erklär-Bär-Jargon.

Aber Vorsicht, die anwachsende Twitter-Gemeinde äußert sich durchaus positiv. Sascha Lobo, berüchtigter Internet-Verfechter aus Berlin, bewertete das Rubens-Projekt unlängst als „mustergültig“ und gelungene „Vermählung von Barock und Twitter“. Damit erreichte er gute 30 000 weitere Benutzer weltweit – ein glatter Werbeerfolg für die vielgelobte Ausstellung, die noch bis 7. Februar läuft.

Wenn das Medium Twitter zur Vermittlung profunder Inhalte nicht unbedingt taugt, ist doch anzuerkennen, dass sein Einsatz in zunehmendem Maße unumgänglich ist. Die Möglichkeit weltweiter Vernetzung lockt und aller Kritik zum Trotz muss man sagen: Schaden tut’s niemandem.

Marcus Mäckler

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