Wenn die Schuhplattler vor Neid erblassen

München - Im ausverkauften Circus Krone hat am Dienstag die britische Show „Stomp“ Premiere gefeiert. Bis 4. Oktober gastiert sie noch in München.

Es ist ja nicht so, dass man nicht wissen würde, was einen erwartet. Die Nummer mit den Benzin-Feuerzeugen, die die Künstler im Takt auf- und wieder zuschnappen lassen, hat man schon mal gesehen. Die Blechtonnen, die sie sich an die Füße schnallen, um wie Roboter lautsark über die Bühne zu stampfen, haben es sogar in einen Werbespot geschafft. Und doch: Die britische Show „Stomp“ ist jeden einzelnen Cent wert.

Das zeigt sich im fast ausverkauften Circus Krone schon bei dem allerersten Stück. Da tritt ein Typ in Latzhosen und verschmutztem Unterhemd auf die Bühne und fegt Staub, erst lustlos, dann rhythmisch. Doch erst, als seine Künstler-Kollegen hinzustoßen, zeigt sich ein Muster, eine raffinierte Besenstiel-Komposition, die zu einem rauschhaften Finale anwächst.

Manchmal müssen es eben nicht die Geige oder die Gitarre sein. Manchmal tun es auch ganz simple Alltagsgegenstände: Eimer, Radkappen, Feuerlöscher, Spülbecken, Streichholzschachteln – zur Not auch die eigenen Hände und Füße. Angesichts der Energie, Inbrunst und Präzision, mit denen die acht Künstler auf ihren Körpern herumtrommeln, dürften selbst Schuhplattler vor Neid erblassen.

„Stomp“ ist aber auch deswegen ein Klasse-Show, weil sich die Macher Lukas Cresswell und Steve McNicholas seit 1981 nicht darauf eingelassen haben, mit ihrer Musik eine Geschichte zu erzählen. So können sich Künstler wie Publikum auf den Rhythmus konzentrieren.

Mitunter albern wirken da die Pointen, die die Künstler sich haben einfallen lassen – denn im Grunde geht es meist um die simple Frage „Wer hat hier eigentlich den größten Stock?“ Andererseits: Würden 90 Minuten ununterbrochenenes „stompen“ nicht alle überfordern? Ein Mikrofon zumindest hat nur zur zehn Minuten überlebt. Dann ist es mit einem wuchtigen Rumms von der Bühne gefallen.

von Thierry Backes

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