Wenn der Vater mit der Tochter

- Er lebte in den Zeiten der Malerfürsten, die sich im Wechsel zwischen 19. und 20. Jahrhundert inszenierten. Aber keiner dieser Herren hätte sich je in einem Selbstbildnis zusammen mit einem halb drolligen, halb dämonischen Kuschelclown gemalt. Mit der Ausstellung "Carl Larsson - Ein schwedisches Märchen" erinnert die Münchner Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung an einen bei uns vergessenen Künstler. In der Gründerzeit aber stellte er zum Beispiel in München regelmäßig aus, und das Buch "Das Haus in der Sonne" mit Bildern und Texten von ihm verkaufte sich damals zu Hunderttausenden.

Bei der "Selbstuntersuchung" von 1906 präsentiert sich uns der Maler mit dem blonden Schnauzer und dem Zwicker auf der Nase frontal, als wären wir der Spiegel, in den er blickt. Kühn setzt er die Kontraste: viel Weiß für den Malerkittel, rabenschwarz der Schlapphut, dahinter - wie im Gesicht auch - Blau und Orange, obendrein Rot und Grün bei der Puppe. Vielleicht war Larsson klar, dass er mit seinen so beliebten Bildern aus seinem Heim, von einem glücklichen, ländlichen Schweden die Sehnsucht der Menschen nach einer bescheidenen idealen Welt bediente: Man hat sein Auskommen, und die Familie gibt Halt.

Heitere Gegenwelt

Dass er eine Gegenwelt entwarf, war Larsson in der Zeit des Brutal-Kapitalismus, der Industrialisierung, der Unterdrückung der Mehrheit des engstirnigen Patriarchats sicher bewusst. Was heute heiter und sympathisch wirkt, dass Papa seine kleine Tochter auf den Schultern thronen lässt und das auch noch ernstlich als Bildmotiv einführt, war damals höchst ungewöhnlich. Man präsentierte sich stets in bürgerlicher Würde, Zucht und Ordnung wurden den Kindern notfalls eingebläut, und gerade der Vater hatte als eine Art Haus-Monarch geehrt zu werden. Der Schwede sprengte diese Vorstellungen mit seinen wundervoll gekonnten Aquarellen, den Ölgemälden und Illustrationen einfach weg. Zusammen mit dem schummrigen, plüschigen Horror-vacui-Einrichtungsstil. Bei ihm ist alles luftig, licht und bunt.

Aus dem Geist der damaligen Reformbewegung, die mit einer qualitätsvollen Gestaltung der Umwelt sozialen Fortschritt verknüpfte, entsprang auch Carl Larssons Projekt, Lilla Hyttnäs (kleine Hütte auf der Landzunge) in dem Buch "Unser Heim" publik zu machen. Diese humorvolle Propaganda der Wohn-Menschlichkeit ist in der Kunsthalle in einem Pavillon zusammengefasst. Dem Charme des Häuschens in Sundborn (Provinz Dalaarna) erliegt offenbar noch heute jeder Besucher, sodass die Ausstellungsmacher das vom Schaukelstuhl bis zu den Buntglasfenstern designte, aber nie "gestylte", sondern absolut kinderfreundliche Domizil der zehnköpfigen Larsson-Familie nachbauen ließen. Wie sehr Armut und Umwelt Menschen quälen, wusste Larsson aus der eigenen Kindheit.

1853 geboren, schlug er sich als Retuscheur und Illustrator durch. Die Erfahrung in Frankreich mit Freiluftmalerei brachte die Befreiung: natürliches Licht - und Kollegin Karin Bergöö. Ihre Liebe und Schwiegerpapas Hilfe schufen Glück, auch beruflich. Carl Larsson, der 1919 starb, ist noch heute in Schweden ein anerkannter und höchst beliebter Künstler.

Bis 5.2.2006, Tel. 089/ 22 44 12, Katalog, Hirmer: 29 Euro. Kinderführungen: ab 30.11. mittwochs, 15 Uhr.

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