Wenn zwei sich streiten

- Eine Ausstellung des Moskauer Puschkin-Museums zum 60. Jahrestag des Kriegsendes hat zu einem neuerlichen Aufflackern der "Beutekunst"-Debatte zwischen Deutschland und Russland geführt. Die Schau "Archäologie des Krieges. Rückkehr aus dem Nichts" präsentiert rund 500 antike Kleinkunstwerke aus den bislang unerschlossenen Depots mit deutscher "Beutekunst". Hier lagert ein Großteil der auf sowjetischen Befehl abtransportierten Kunstschätze aus Deutschland, darunter auch der Schliemann-Schatz, das "Gold von Troja".

<P>In fünf Jahren hätten russische Fachleute rund 500 Vasen, Terrakotten, Fresken restauriert. Ohne die deutschen Kollegen von dem Projekt zu unterrichten, geschweige denn Zugang zu den Objekten zu erlauben, so die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Dieses geradezu konspirativ anmutende Vorgehen von Museumsdirektorin Irina Antonowa erzeugt Missstimmung auf deutscher Seite. <BR><BR>In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" äußerten Stiftungspräsident Klaus-Dieter Lehmann, Kollege Martin Roth (Dresden) und Hartmut Dorgerloh (Potsdam) ihren Unmut. Alle Anfragen Berlins für den Zugang zu den Depots seien von russischer Seite abgelehnt worden. Während man selbst noch am Tag der Ausstellungseröffnung ein Bild aus der Berliner Gemäldegalerie an Russland zurückgegeben habe, sei von dort kein Einlenken in der Diskussion abzusehen. <BR><BR>Zusätzlich betreibe Antonowa "Legendenbildung", indem sie das Signal sende, Deutschland habe die Kulturgüter im Mai 1945 selbst zerstört und damit jedes Recht auf sie verloren. Die Umstände, unter denen viele Kunstwerke vernichtet wurden, sind aber umstritten. Auf deutscher Seite spricht man von einem von Plünderern gelegten Feuer, das das Lager der Artefakte in Berlin vernichtet habe. <BR><BR>Kritik schließlich auch an der deutsche Regierung: Der kulturpolitische Sprecher der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion, Günter Nooke, warf der Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos), die einen Stillstand der Verhandlungen eingeräumt hatte, "gute Miene zu diesem Trauerspiel" vor. <BR><BR>Das Puschkin-Museum ist sich indes keiner Schuld bewusst und sieht kein politisches Motiv in der Schau: "Wir wollten lediglich diese Gegenstände wieder herstellen", erklärt die verantwortliche Kunstwissenschaftlerin Ljudmila Akimowa.<BR><BR>Wer aber geht nun aus dem festgefahrenen Dauerzwist als der sprichwörtlich freudige Dritter hervor? Den Kunstwerken sei dieses Gerangel auf jeden Fall eher abträglich, warnt Roth: Ganze Bestände bedeutender Kunst seien in russischen Depots zu "Pflegefällen" geworden. Es sei allerhöchste Zeit, sie zu restaurieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.</P>

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