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Warten auf den großen Unbekannten: Kabarettistin Luise Kinseher.

Luise Kinsehers neues Programm

„Wer schneller büßt...“

München - Luise Kinsehers neues Programm „Ruhe bewahren!“ in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft.

Wann ist wohl „bald“? Das fragen nicht nur kleine Kinder ihre Eltern auf der Fahrt in den Familienurlaub, über dieses Wörtchen grübeln auch frisch Verliebte, die den fest versprochenen Anruf des oder der Angebeteten ersehnen. Luise Kinsehers Aufforderung „Ruhe bewahren!“, mit der ihr neues Programm überschrieben ist, versteht sich nicht nur als Appell an ihr Publikum, einfach ’mal zu relaxen, es richtet sich auch an die eigene Adresse. Keine Panik, er wird sich schon noch melden!

Das Warten auf den großen Unbekannten aus dem Hotelfahrstuhl ist der rote Faden an diesem Abend in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Die Frau im kleinen Schwarzen hat das Smartphone ständig im Blick – eine schöne Chiffre für den heutigen Menschen, der nichts verpassen und rund um die Uhr erreichbar sein will. Kinseher schmachtet, hofft und hadert im Zehn-Minuten-Takt – und kommt zwischendurch, welch ein schöner Kontrast, ins Philosophieren über die Zeit, das Leben und die sich rasant verändernde Einstellung zum Altern und zum Alter.

Die Beschleunigung des Daseins, der Zwang, so schnell wie möglich Projekte zu verwirklichen oder auch zu verwerfen – bei der 45-Jährigen verdichten sich (Selbst-)Erkenntnisse zu feinen Sätzen wie „Andere haben Familie, ich hab’ Gewichtsprobleme“ oder „Wer schneller büßt, hat mehr Zeit zum Sündigen“. Angesichts des Wandels vom guten, alten Nickerchen zum „Power Napping“ und der Möglichkeit, den Todeszeitpunkt auf den Tag genau vorauszuberechnen, beschwört die Kabarettistin den Reiz der Langsamkeit, träumt sich in (ländliche) Welten, in denen es „immer halb drei, also kurz vor Feierabend“ ist, und man riecht, wenn der Weizen reif ist.

Ihr Figurenpanoptikum aus „Einfach reich“ hat die begnadete Schauspielerin ein wenig reduziert, was dem Programm gut tut (Regie: Beatrix Doderer). Wenn sie mal nicht selbst auf der Bühne steht, steuert Helga Frese norddeutsch kühl Abgründiges über ewige Ehen und die guten Seiten des Vergessens bei. Und auch die stets schwer beschwipste Mary from Bavary („Für mich das Obst nur im Stamperl!“) hat ihre wunderbaren Auftritte. Sie sorgt mit schrägen Weisheiten für die Lacher, die bei Kinsehers Exkursen in die Politik hier und da ausbleiben.

Rudolf Ogiermann

Weitere Vorstellungen:

Bis 1. November, dienstags bis samstags um 20 Uhr, Telefon 089/39 19 97, danach von 11. bis 13. Dezember (20.30 Uhr) im Münchner Lustspielhaus, Telefon 089/34 49 74.

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