An der Werbetrommel

- Staatsministerin Christina Weiss legte nun den Entwurf vor für eine Neufassung des Filmfördergesetzes zum Januar 2004. Dabei geht es vor allem um den jeweiligen Anteil der Branchen an der Finanzierung der Filmförderanstalt (FFA). Im Juni soll es dazu ein Bundestags-Hearing geben, das SPD und Union gemeinsam beantragt haben - ein Affront für Weiss.

<P>Manche sagen, ein Film solle nur unterhalten. Hauptkriterium seien viele Zuschauer, keineswegs der künstlerische Wert eines Werkes. Wo steht der deutsche Gegenwartsfilm?<BR>Weiss: Ich finde, man muss diese überholte Differenzierung aus den Köpfen verbannen. Wirkliche Qualität besteht darin, sich mit künstlerischem Anspruch beim Publikum zu behaupten. Es gibt wieder deutsche Filme, die Geschichten erzählen können wie "Nirgendwo in Afrika", der intensiv, mit Mut zu Emotionen erzählt. Oder "Good Bye Lenin!", der die Kunst der Vielschichtigkeit beherrscht. Kulturpolitik muss Möglichkeiten schaffen und den Spielraum bieten, damit Künstler ihre Filme machen können.</P><P>Qualität setzt sich nur leider nicht immer durch.<BR>Weiss: Ja. Es gibt tolle deutsche Filme, die ihren Weg nicht gemacht haben. Etwa Jan Schüttes Brecht-Film. Ein maßgebliches Ziel bei der Novellierung des Fördergesetzes ist: Wir müssen mehr Trommelwirbel um gute Filme veranstalten. Es ist mein Bestreben, neue Instrumente zu entwickeln, um Film als öffentliches Gesprächsthema wach zu halten. </P><P>Wäre dies eine Aufgabe der zu gründenden Film-Akademie? Es fragen sich viele, wozu man eine solche Akademie überhaupt braucht, was diese an den 364 Tagen im Jahr tun wird, wenn kein Filmpreis zu vergeben ist.<BR>Weiss: Es braucht die Akademie nicht im Zusammenhang mit dem Filmpreis. Es handelt sich um eine Initiative aus der Branche - das ist nur zu begrüßen und war überfällig.</P><P>Aber Ihr Haus ist beteiligt?<BR>Weiss: Die Akademie wird von der Filmbranche, allen voran den Produzenten, gegründet. Ich bin insoweit daran beteiligt, als wir miteinander das Kooperationsprojekt zum "Deutschen Filmpreis" entwickeln. Wir brauchen viele solcher Dauerwerbe-Instrumente, um das Thema Film zu verlebendigen. </P><P>Selbstbehauptung, Werbung - wo bleibt die Kultur? Beim Filmpreis ist in den Richtlinien dezidiert von der "Förderung der Filmkultur" die Rede.<BR>Weiss: Deutlich gesagt: Der deutsche Filmpreis bleibt ein Staatspreis. Ich will und werde ihn nicht abgeben. Er ist ein zentrales Instrument der Filmförderung meines Amtes. Wir sind uns völlig einig, dass der Filmpreis besondere künstlerische Qualität auszeichnen, aber auch mehr Öffentlichkeit erzielen soll. Wenn das neue Verfahren den Filmpreis schwächt, trennen wir uns wieder. <BR>Sind Sie mit den Reaktionen aus der Filmbranche zu dem Entwurf für das neue Fördergesetz zufrieden? <BR>Weiss: Wichtig ist, dass wir eine wirkliche Reform schaffen, dass nichts Essenzielles zurückgenommen wird. Wir brauchen erheblich mehr Geld im Topf. Wir haben einen Durchbruch geschafft, indem sich die TV-Sender zu mehr Zahlungen verpflichtet haben.</P><P>Aber konkret: Mit einem anspruchsvollen, schwierigen Film bekommen Sie heute 100 000 Zuschauer und damit Referenzgelder. Die geplante Erhöhung auf mindestens 150 000 Zuschauer, bevor man einen Euro Referenzgeld sieht, ist eine erheblich höhere Hürde. Gefährden Sie nicht so das Kulturgut Film?<BR>Weiss: Wir werden bei der Referenzgeldförderung den kulturellen Aspekt doch verstärken, indem wir Festivaleinladungen und Preise berücksichtigen. Wir haben das mit Filmbeispielen aus der Vergangenheit durchgerechnet, aber wir brauchen auch die Erfahrung in der Praxis. Man muss das neue System testen - es hilft nichts!</P><P>Das Gespräch führte Rüdiger Suchsland</P>

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