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Heike Faller

Wie werde ich reich?

Spekulieren in Zeiten der Wirtschaftskrise: Heike Faller hat sich ein Jahr lang in einem Selbstversuch bemüht, 10 000 Euro zu verdoppeln

Heike Faller hat 10 000 Euro – und ein Jahr. So lange dauert die Auszeit, die sich die Journalistin, Jahrgang 1971, genommen hat. Danach soll sich ihr Vermögen verdoppelt haben. Verdoppelt! Vor ihrem Experiment, das Anfang 2008 startete, hatte Faller kaum Ahnung von Hedgefonds, Aktien und anderen mal mehr, mal weniger abenteuerlichen Geldvermehrungs-Werkzeugen. Dann beginnt auch noch die Wirtschaftskrise. Turbulente Zeiten für eine Amateur-Investorin. In ihrem Buch „Wie ich einmal versuchte, reich zu werden“ beschreibt Faller ihre Jagd nach der ultimativen Rendite. Einige ihrer Anlagen sind kühn, manche nicht für den Hausgebrauch, einige gehen fies daneben.

Hier ein kleiner Überblick:

Krisengewinnler suchen

„Ob es auch Aktien gibt, die in einer Krise steigen würden?“, fragt sich Heike Faller. Geht es den Leuten mies, muss es nicht unbedingt allen Branchen mies gehen. Was ist zum Beispiel mit einem Pfandleihhaus? „Das Geschäftsmodell war so gnadenlos wie einleuchtend: Wer von seiner Bank keinen Kredit bekam, und das würden in Zukunft immer mehr Leute sein, der habe keine andere Wahl, als Schmuck oder Uhren zu versetzen.“ Also kauft Faller Aktien eines englischen Pfandleihhauses. Die Kurse steigen, aber leider nicht nur.

Ins Casino gehen

Beim Roulette kann man auf Rot oder Schwarz setzen. Und viermal hintereinander Rot – das ist doch wohl ziemlich unwahrscheinlich. Mit dieser Idee und 7500 Euro besucht Faller zusammen mit einem Mathematik-Genie das Casino in Baden -Baden. „Ich setze also 500, und wenn ich verliere, setze ich 1000, wenn ich noch mal verliere, setze ich 2000, beim dritten Mal 4000“, so sind die Regeln ihres ,Systems‘. Faller hat Glück: Sie tippt beim ersten Mal auf Schwarz – und die schwarze 18 kommt. Faller nimmt den Gewinn – und geht nach Hause. Das ,System‘ hat funktioniert. Der Mathematiker redet ihr jedoch ins Gewissen, mit einer vereinfachten Rechnung. „Jeder sechzehnte Tag ist ihr Ruin – im Durchschnitt“, sagt er, wenn man davon ausginge, dass man an hundert Tagen ins Casino geht.

Kunst

Es gibt Kunstwerke, die sind schön und billig – bald wird sich die ganze Welt um sie reißen. Ein Freund Fallers hat vor einiger Zeit ein Bild eines damals eher unbekannten Künstlers gekauft. Neo Rauch heißt er, 9000 Mark hat das Bild seinerzeit gekostet. Wenig später erzielten seine Werke Preise um die 500 000 Euro. „Gleichzeitig stieg mit den Preisen auch mein Wunsch, den nächsten Neo Rauch zu finden“, schreibt Faller. „Mein Kunstgeschmack war zwar nicht besonders ausgebildet und subtil, aber vielleicht gerade deshalb ein guter Indikator: Repräsentierte ich nicht genau jene kaufkräftigen, urbanen Kunstkäufer, die die Preise seit Mitte der Neunzigerjahre nach oben getrieben haben?“ Faller holt Rat bei Kunstsammlern, welcher Künstler denn stark im Kommen sei. Sie findet dann allerdings doch kein Kunstwerk, das sie kaufen will. Die Renditejagd geht anschließend weiter.

Das Abenteuer suchen

Fallers Suche nach dem Geld passiert weltweit. Umso abgelegener, desto besser. Irakische Hotelaktien könnten demnächst explodieren, genauso südafrikanische Goldminen. Faller beteiligt sich an abenteuerlichen Firmen und trifft beachtliche Gestalten: Einem irakischen Börsenhändler soll sie eine deutsche Frau besorgen. Bei der Investment-Legende George Soros hat sie Pech: Einen Anlagetipp kann sie ihm nicht abschwatzen. Und dann ist das aufregende Jahr irgendwann vorbei. Faller zieht Bilanz: So plus/minus null Prozent habe sie verdient. „Das sind nicht die 100 Prozent, die ich mir vor einem Jahr vorgenommen hatte. Aber es ist eine Zahl, über die in diesen Zeiten keiner lacht.“ Vergnüglich und lehrreich war die Suche nach den 100 Prozent allemal.

von Stefan Sessler

Heike Faller

„Wie ich einmal versuchte, reich zu werden“. DVA , München, 232 Seiten; 19,95 Euro.

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