Da werden Männer zu Männchen

- Im Tierreich dienen bunte Federn, spitze Schreie und extravagante Tänze nur einem einzigen Zweck: der Paarung. Zur Popmusik ist es da nicht weit, und zu Kylie Minogue gar nur ein Katzensprung. Die Australierin ist ungekrönte Königin des Paarungsrituals.

<P>Stoff-Reste auf nackter Haut, schwüle Blicke, konspiratives Lächeln - da werden Männer zu Männchen und kommen gehörig ins Schwitzen. Seit 17 Jahren geht das nun schon so, und deswegen ist das Alpha-Weibchen derzeit mit einem Greatest-Hits-Programm auf Tour. Bei ihrem ersten Deutschland-Konzert in der Münchner Olympiahalle zeigte sich Kylie (36) in einer streckenweise atemberaubenden Inszenierung als Henne im Korb.<BR><BR>Mehr Spatz als Nachtigall</P><P>Das darf man ruhig wörtlich nehmen. Die 1,52 Meter große Diva betrat die Bühne in einem strassbesetzten Nichts, mit weißblauem Federbusch auf dem Kopf und ebenso gestalteten "Schwanzfedern". Dabei umflatterten den Paradiesvogel sechs knackige Tänzer mit umgeschnallten schwarzen Schwingen. Auf in nagellackrotes Licht getauchter Bühne zwitscherte sie "On a night like this". "Kylie Showgirl" hatten die Plakate geworben - eine schamlose Untertreibung.<BR><BR>Aber, wir kennen das vom Kaugummi-Kauen: Was anfangs süß und saftig schmeckt, wird bald zäh und fade. Deswegen war man gut beraten, das Konzert in sieben verschiedene Sektionen zu unterteilen, was die Show zu einer Art Las-Vegas-Revue machte, musikalische Längen gnädig kaschierte und Minogue Gelegenheit gab, sich in immer neuen Kreationen von Karl Lagerfeld oder John Galliano zu räkeln. Bei "Come into my world" etwa schwebte sie auf einer überdimensionalen Mondsichel acht Meter über den Zuschauern. Kaum waren die aus dem Staunen heraus, zeigte sie sich im kurzen Goldenen oder führte mit einem Solotänzer ein Mini-Musical auf.<BR>Die Pausen zwischen den Sektionen waren dabei verblüffend kurz, erinnerten fast an Boxenstops bei der Formel 1. Wie viele hektische Helfer da wohl Hand an die Sängerin legten, bevor sie wieder auf die Piste ging? Noch atemberaubender, natürlich. "Munich, do you like what you see?", fragte sie. Und ob, Kylie, und ob.<BR><BR>Was man hörte, war freilich nicht immer das Gelbe vom Ei. Die Band machte bereits optisch der Show Platz, die Musiker waren am Rand der Bühne versteckt. Sie produzierten den für Kylie typischen synthesizer-getriebenen Hedonisten-Sound, der sie mit "I should be so lucky" zu einem Star der Achtziger gemacht hatte. "Can't get you out of my head" und "Slow" klangen dagegen auch live fantastisch. Kylies verzichtbare Version von "Somewhere over the rainbow" zeigte allerdings, dass die Sängerin eher ein Spatz ist denn eine Nachtigall. Der Abend wurde davon kaum getrübt. Das Showgirl hat uns perfekt unterhalten - nicht nur die Männchen übrigens. Der Vorwurf, die Schöne transportiere ein zutiefst fragwürdiges Frauenbild, in der Olympiahalle zumindest lief er ins Leere. Kylie Minogue hatte zu jeder Zeit die (Designer-)Hosen an.</P>

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