Feuer in Rosenheim: Container brennen lichterloh

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Ein Extremist bei Schostakowitsch: Mariss Jansons probt im Gasteig.

BR-Symphonieorchester

Schostakowitsch trifft Beethoven: Vom Werden und Vergehen

München - Flehende Gesten und Imponiergehabe: Mariss Jansons und das BR-Symphonieorchester begeistern in der Münchner Philharmonie mit Beethoven und Schostakowitsch.

Von Verwandtschaft zu reden, das ginge zu weit. Denkt man. Aber dann offenbaren sich doch Gemeinsamkeiten zwischen beiden Werken, zwischen Beethovens viertem Klavierkonzert und der fünften Symphonie von Schostakowitsch. Man muss sich dafür freilich so hineindenken wie Mariss Jansons mit seinem Symphonieorchester des Bayerischen Rundunks. Natürlich lässt er bei Schostakowitsch die Leinen los, wenn das Ensemble in das prachtvollste, denkbar hohlste, böseste Dur-Lärmen einbiegt. Ein Ovationenkitzler seit der Uraufführung, auch jetzt in der ausverkauften Münchner Philharmonie.

Doch es gibt eben andere Stellen, im Largo zum Beispiel, in dem Unsagbares betrauert wird. Eine Tragik im Leisen wie zuvor bei Beethoven. Ein Diskurs übers Leid, bei Schostakowitsch in irisierende Klanglichkeit gefasst, für den Jansons sein Ensemble bis an die Wahrnehmungsschwelle dimmt. Wachsweich in der Agogik, alles enorm geschlossen realisiert. Eine extremistische Deutung der Fünften, grandios und beherzt gespielt, die Gegensätze ausreizt. Etwa im Allegretto, in dem die Streicher fast bis zum Geräuschhaften zupacken. Auch im Kopfsatz, wo einiges vom Programm vor der Pause widerhallt: ein seltsamer Antagonismus, die Unvereinbarkeit zwischen flehenden Gesten und dem Imponiergehabe des Tutti. So, wie es – freilich auf Kammermusikebene verhandelt – im langsamen Satz des Beethoven-Konzerts zu hören war.

Jansons und Solistin Mitsuko Uchida treiben dazu das Lyrisch-Abgetönte, die Nachdenklichkeit des Stücks noch weiter. Ein starker Sehnsuchtston durchzieht nicht nur den Mittelsatz, sondern bereits das eröffnende Allegro – als begegne man hier Schuberts nie geschriebenem Klavierkonzert. Passend dazu die verhangene Virtuosität des Finales (trotz kleiner Flüchtigkeiten): Ein vollkommenes In-Eins-Sein von Solistin, Dirigent und Orchester ist zu spüren, weit entfernt von jenen „Zufallsbegegnungen“, die sich sonst bei solchen probenarmen Star-Treffen ereignen.

Als passende Hinleitung davor Ligetis „Atmosphères“. Auch hier, in diesen amorphen Klangflächen, forderte Jansons viel. Minuten, die vom Werden und Vergehen berichten. Und von einem BR-Symphonieorchester, das bestens gerüstet ist für die große Tournee: An diesem Wochenende geht’s nach Süd- und Nordamerika.

Von Markus Thiel

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