Das Werk der enttäuschten Gräfin

Bayreuth - Ihre Blicke begegnen sich zwar. Auch fasst Penelope ihren Mann an der Schulter. Doch aus beider Augen spricht weniger Wiedersehensfreude, sondern Zurückhaltung, Entfremdung, Trauer. Eine vielsagende Stimmung, die Gerard de Lairesse (1640-1711) in seiner "Rückkehr des Odysseus nach Ithaka" eingefangen hat. Und zugleich eines jener Gemälde, die den Betrachter beim Abschreiten der Galerie sofort innehalten lässt.

"Zweigstelle", der Begriff träfe diese neue Bayreuther Attraktion nur unzureichend. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben der Stadt vielmehr das zurückgegeben, was sie lange Jahre adelte: eine Ausstellung, die von Sammlungsfreude und Kunstsinnigkeit des Markgrafenehepaars Wilhelmine und Friedrich kündet.

Historiengemälde des 18. Jahrhunderts und

Alltagsbilder eines Münchner Hofmalers

Die drei restaurierten Räume bieten freilich keine Rekonstruktion des ursprünglichen Inhalts. Überhaupt ist fraglich, ob Wilhelmine, die 1758 starb, ihre fertige Galerie jemals erleben konnte. Später fiel das Erbe an die Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach, die Gemälde wurden weggebracht, ihre Spur verlor sich.

Was die Bayreuther Räume folglich zeigen, ist kein "So war es", sondern ein "So hätte es aussehen können". Für das thematisch und künstlerisch passende Ergebnis halfen die Staatsgemäldesammlungen mit eigenen Beständen aus, 84 Kunstwerke fanden den Weg nach Oberfranken.

Der prachtvollste Raum ist die 22 Meter lange Rokoko-Galerie. Die intensive, dunkelgrüne Wandbespannung, die golden verzierte Decke und der rohe Dielenboden bieten ein ideales Umfeld für die ­ doch sehr dicht gehängten ­ Bilder. Hier konzentriert sich die Historienmalerei des 18. Jahrhunderts, Mythologisches sowie die römische und griechische Geschichte, meist in heftig bewegter, üppiger Körperlichkeit geschildert.

Zum Beispiel "Der Tod der Dido" von Ottmar Elliger d.J. (1666-1732): Die Königin Karthagos, umringt von entsetzten Getreuen, ist bereits ins Dunkel zurückgefallen, während der Himmel aufreißt, wo Juno und Iris die Sterbende erwarten. Oder die Triumphzüge des Bacchus und der Venus, die Gerard Hoet (1648-1733) zu verspielten, detailreichen Schilderungen anspornte.

Neben der großen Galerie laden noch zwei Kabinette zum Staunen und Verweilen ein. Eines widmet sich dem Flamen Peter Jakob Horemans (1700-1776), der als Hofmaler in München arbeitete und auf reizvolle Weise die damalige Alltagswelt festhielt. Ein weiteres befasst sich mit niederländischer und deutscher Landschaftskunst des 18. Jahrhunderts.

Sieben Jahre hat es gedauert, bis die drei Räume wieder in altem Glanz erstrahlen konnten. Putz- und Stuckschäden mussten ausgebessert werden, man installierte eine "moderate" Klimaanlage, überdies wurden viele Rokoko-Rahmen nachgebaut.

Mit dem restaurierten Galerietrakt des Neuen Schlosses erhält der Wilhelminische Kosmos in und um Bayreuth einen weitere wichtige Säule. Bekanntlich hat die Markgräfin, die gegen ihren Willen nach Oberfranken verheiratet wurde und damit die königliche Familie in Berlin verlassen musste, ihre Enttäuschung mit einer kulturellen Offensive kompensiert.

Auf diese Weise entstanden das einzigartige Markgräfliche Opernhaus im Zentrum der Stadt, die Eremitage sowie die Gartenanlage von Sanspareil außerhalb Bayreuths. Nächste "Baustellen" der Restauratoren sind nun der Italienische Bau des Neuen Schlosses und das Alte Schloss der Eremitage. 2009, zum 300. Geburtstag Wilhelmines, soll alles fertig sein. Auf dass dann endgültig niemand mehr behaupten kann, Bayreuth werde nur vom Wagner-Kult beherrscht.

Informationen:

Staatsgalerie im Neuen Schloss Bayreuth, Ludwigstr. 21. Öffnungszeiten bis 30.9. tgl. 9-18 Uhr, ab 1.10. Di. bis So. 10-16 Uhr. Tel. 0921/ 75 96 90. Katalog, Verlag Hatje Cantz: 25 Euro.

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