Werkstatt für Mozart

- Kleine Salzburger Festspiel-Kunde: Zwischen dem 24. Juli und 31. August 2004 gibt es Neuinszenierungen ("Rosenkavalier"), Neueinstudierungen (die von den Osterfestspielen übernommene "Così`"), und es gibt, so meinte Intendant Peter Ruzicka, eine "Neujustierung" - nämlich Stefan Herheims im vergangenen Sommer so umstrittene "Entführung". Spitzfindigkeiten? Eher Ausdruck dafür, dass sich das weltweit teuerste und bedeutendste Kulturfestival nun - notgedrungen - auch als "Werkstatt" definiert.

<P>Sogar als Baustelle muss es sich ab Ende der kommenden Saison begreifen. Das Kleine Haus wird geschlossen und zum "Haus für Mozart" umgebaut. Letzte Premiere am alten Ort ist (welch Pointe) "Die tote Stadt", erste Produktion im neuen Musentempel 2006 Mozarts "Figaro". Zwischenzeitlich wird der Residenzhof als Spielstätte wiederbelebt, für "ausladende Stücke" denkt Ruzicka an die Salzburg-Arena (Messegelände), überdies sollen Mozarts frühe Opern in der Uni-Aula gespielt werden.</P><P>Präsidentin Helga Rabl-Stadler versicherte, die Festspiele würden an der Perner-Insel in Hallein festhalten - auch in Sachen Sprechtheater. Schauspiel-Chef Jürgen Flimm hatte in der Vergangenheit die krakenhafte Ausbreitung der Opern-Projekte beklagt, nun gab er sich zwar launig, aber zahm: Auch 2006 brauche man Hallein als Gegenpol zum "wohl ondulierten Gala-Abend". Denn: "Sonst findet hier überhaupt nix mehr außer Mozart statt."</P><P>Flimm rechtfertigte sich überdies für die Koproduktionen mit anderen Theatern. Ohne dies könne man ein derart reichhaltiges Angebot nicht mehr bezahlen. Früher habe es nur zwei Projekte im Landestheater plus den "Jedermann" gegeben, "wir machen nun mit demselben Geld ein größeres Programm".</P><P>64 Veranstaltungen mit Theater oder Lesungen bietet Flimm 2004, die Oper 44 Abende, dazu gesellen sich 73 Konzerte. Ruzicka wies hierzu auf Besonderheiten hin: Die Wiener Philharmoniker heben "Zeit - Inseln" von Aribert Reimann aus der Taufe, zu Dvorá´ks 100. Todestag ist ein Programmschwerpunkt geplant. "Composers in Residence" sind György Kurtá´g und Jörg Widmann, was sich in einer kleinen Reihe, auch in manchem Symphoniekonzert niederschlägt. Und die Camerata Salzburg wird einen Walzer von Schönberg vorstellen, laut Ruzicka "vermutlich die letzte Schönberg-Uraufführung überhaupt".</P><P>Nähere Informationen unter www.salzburgfestival.at<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Kas mit Karoline
Das New Yorker Regieduo 600 Highwaymen versuchte sich im Auftrag der Salzburger Festspiele an Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Lesen Sie hier unsere …
Kas mit Karoline

Kommentare