+
Kein Comeback, nur eine „Verlängerung“: Werner Schneyder ist auch mit 80 noch sehr präsent.

Werner Schneyder feiert 80. Geburtstag

Der Verseschneyder

  • schließen

Wien - Der österreichische Kabarettist, Schauspieler, Autor, Regisseur und Sportexperte Werner Schneyder feiert heute seinen 80. Geburtstag. Wir gratulieren:

Wer so intensiv Theater macht, als Autor, als Regisseur (unter anderem am Münchner Gärtnerplatztheater), als Schauspieler, hat natürlich Sinn für Theatralik, für starke Abgänge, die nicht wirklich welche sind. Seit seinem „Abschiedsabend“, seit seinem „offiziellen“ Rückzug von der Kabarettbühne vor mehr als 20 Jahren, umweht Werner Schneyder die Aura des emeritierten Satirikers, der sich zwischendurch immer nur „ausnahmsweise“ nochmals zu Wort meldet. Heute wird der gebürtige Grazer 80 Jahre alt, doch weg vom Fenster ist er wohl noch lange nicht.

Ein Mann der vielen Talente

Vielleicht sind die vielen Talente des Werner Schneyder das Geheimnis seiner – mehr oder weniger stillen – Dauerpräsenz im Kulturleben Deutschlands und Österreichs. In den vergangenen Jahren schrieb der Hüne mit der charakteristischen „Mecki“-Frisur zahlreiche Bücher, neben pointiert formulierten, meinungsstarken Memoiren wie zuletzt „Gespräch unter zwei Augen – Dialog eines Lebens“ auch ein Tagebuch über den Tod seiner ersten Frau („Krebs – Eine Nacherzählung“).

Das geschriebene Wort hatte es schon dem ganz jungen Mann angetan. Bereits während des Studiums in Wien verfasste er Zeitungsartikel, später auch drei Jahre lang Werbetexte. Nach einem Intermezzo als Dramaturg in Salzburg und Linz kehrte er zum Schreiben zurück, seine Texte – unter anderem Hörspiele – wurden literarischer.

Langjährige Zusammenarbeit mit Dieter Hildebrandt

Eine Begegnung mit Dieter Hildebrandt, dem Star des kurz zuvor aufgelösten Ensembles der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, führte im Jahr 1974 zu einer mehrjährigen Zusammenarbeit, die Schneyder schlagartig auch in Deutschland bekannt machte. Fünf Programme entstanden in dieser Zeit (unter anderen „Talk täglich“, „Keine Fragen mehr“ und „Ende der Spielzeit“), sie führten die beiden schließlich sogar zu einem Gastspiel in die damalige DDR, das in die (Kabarett-)Geschichte einging.

Im Duett mit dem lauten, spielfreudigen „Preußen“ Hildebrandt übernahm der Österreicher Schneyder gerne den Part des leisen, geheimnisvoll lächelnden Zynikers, dessen rhetorische Fragen zu Politik und Gesellschaft stets schon die Antworten implizierten. Orientiert an Autoren wie Kurt Tucholsky und Erich Kästner, kultivierte und kultiviert der Satiriker auch als Solist („Ich bin konservativ“) einen eher aphoristischen Stil. Kein Bühnenberserker, eher ein „Verseschneyder“ – ein bisschen Selbstverliebtheit inklusive.

Schneyder überzeugte auch als Box-Kommentator

Dass der auf der Bühne – im übertragenen Sinn – so anmutig Tänzelnde zugleich Freund der so archaischen Sportart Boxen sein kann, ist in dieser reichen Biografie kein Widerspruch. Schneyder profilierte sich seit Mitte der Siebzigerjahre als Sportexperte, kommentierte große Boxkämpfe und moderierte unter anderem sieben Mal die kabarettistische Jahresbilanz „Das ausgefallene Sportstudio“ im ZDF.

Auch wenn Schneyder seit dem zwei Jahrzehnte zurückliegenden Ende seiner Bühnenkarriere schon mehrmals wieder auf Tournee war, will er von einem „Comeback“ bis heute nicht sprechen. Eher, im sportlichen Sinn, von einer Art „Verlängerung“. Dass auch ein wenig Eitelkeit dabei ist, gab der Ehrenpreisträger des Bayerischen Kabarettpreises vor Jahren im Interview mit unserer Zeitung frank und frei zu. Er fühle sich noch nicht alt genug hinzunehmen, „dass alle, die heute jünger als 30 sind, mich nicht mehr kennen“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Kas mit Karoline
Das New Yorker Regieduo 600 Highwaymen versuchte sich im Auftrag der Salzburger Festspiele an Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Lesen Sie hier unsere …
Kas mit Karoline

Kommentare