"Werther"-Premiere im Nationaltheater: Vom Klang der Seele

- "Die Musik ist ausgesprochen französisch, das Sujet aber ist sehr deutsch", sagt Sophie Koch. Und genau diese Mischung ist es, die die Sängerin so begeistert. Wenn am kommenden Samstag in der Bayerischen Staatsoper "Werther" von Jules Massenet Premiere hat, dann ist die Französin in der Partie der Charlotte mit dabei.

"Wir müssen ja den Deutschen danken, dass es diese Themen gibt, dass es eine ,Mignon’, einen ,Faust’ und eben einen ,Werther’ gibt. Alle drei liebe ich. Und ich liebe Goethe, der diese sehr, sehr schönen Frauenfiguren geschaffen hat. Im Moment mag ich diese Rollen besonders. Denn manchmal habe ich von den Hosenrollen die Nase voll."

Sophie Koch, die französische Mezzosopranistin, die in Versailles aufgewachsen ist und heute mit Mann und kleiner Tochter in der Nähe von Toulouse lebt, hat sich schon während ihrer Schulzeit für die deutsche Literatur, insbesondere für die Romantik und den Sturm und Drang interessiert. Bereits damals hatte sie "Die Leiden des jungen Werther" gelesen, diese Geschichte über die Liebe des jungen Gefühlsmenschen zu der an einen anderen Mann gebundenen Charlotte; diesen Roman, dessen Erscheinen 1774 Goethe auf Anhieb weltberühmt und reich werden ließ.

Aber es war nicht nur Goethe, für den sich Sophie Koch begeisterte, es waren ebenso Hölderlin, Heine, Eichendorff. "Später, als für mich die Musik hinzukam, habe ich diese Dichter noch besser kennengelernt." Da erübrigt sich fast der Hinweis, dass die Sängerin heute beinahe akzentfrei Deutsch spricht.

"Schlimmer als der Dirigenten-Wechsel ist die Tatsache, dass innerhalb des Orchesters ständig die Musiker wechseln."

Sophie Koch

Wenn ihre Liebe auch den Sprachen und der Literatur gilt, dass Sophie Koch einen künstlerischen Beruf wählen würde, war ihr bald klar. Ab dem siebten Lebensjahr spielte sie Klavier, ab dem elften sang sie im Chor. "Ich habe gemerkt, dass das meine Art ist, Gefühle auszudrücken."

Allerdings nicht wahllos. Das muss schon im Verbund mit den Ersten ihres Fachs geschehen: "Ich habe immer gewollt, mit den besten Sängern und den besten Dirigenten zusammenzuarbeiten. Ich sagte mir, wenn ich das nicht schaffe, dann mache ich lieber etwas ganz anderes."

Doch darüber braucht Sophie Koch nicht nachzudenken. Sie steht bereits an der Spitze. Paris, London, Wien, Berlin, im nächsten Jahr New York und jetzt München, wo es kurz vor der Premiere noch einen Dirigenten-Wechsel gab: Statt Ivor Bolton wird nun Daniel Oren die Premiere leiten. Schwierigkeiten für die Sängerin?

Koch: "Na gut, man hat eine kürzere Zeit, um sich zusammenzufinden. Aber das ist nicht das Problem. Wir Sänger sind alle gut studiert. Schlimmer als der Dirigentenwechsel ist die Tatsache, dass inerhalb des Orchesters ständig die Musiker wechseln. Wenn heute mit dem Orchester etwas geprobt wird, davon wissen die Musiker, die einen Tag später im Graben sitzen, nichts. Und es beginnt alles wieder von vorn. So etwas gibt es nur in Deutschland und in Wien. Wir Sänger aber sind sechs Wochen hier, wir sind ja überprobiert. Ich finde, man verliert bei dieser langen Probenphase einfach zu viel Energie."

Die würde Sophie Koch gerne für anderes nutzen. Zum Beispiel dafür, junge Menschen an die Oper heranzuführen: "Das ist dringend notwendig. Wenn ich gefragt werde, bin ich gerne dabei, mich mit den jungen Leuten zu treffen. Denn ich weiß noch, wie ich als Teenager fasziniert war von den großen Künstlern. Eigentlich bin ich es heute noch."

Da denkt sie vor allem an die 50er- bis 70er-Jahre, die Ära der ganz großen Sängerpersönlichkeiten und weniger der schnellen Shooting-Stars des Gesangs. Doch da scheint etwas in Bewegung zu geraten, "denn wir sind", so Sophie Koch, "einige Sänger, die sich zusammentun wollen, um in der Opern wieder den Respekt vor dem Werk und die Tradition des Gesangs zu fördern". Eine absurde Situation: "Wir haben heute sehr gute Sänger, die auf der Opernbühne Karriere machen, von denen es aber keine Platten gibt.

Und es gibt Sänger, die in der Plattenindustrie Karriere machen, die aber kaum auf der Bühne stehen. Für mich sind das keine Opernsänger." Was aber macht eine Sänger-Persönlichkeit aus? Ist es nur die Stimme? Sophie Koch: "Mein Akustik-Professor an der Universität sagte immer: ,Die Psychologie macht die Stimme.’ Stimme ist eben nicht nur Klang, sie kommt von der Seele." Womit wir wieder bei "Werther" wären.

Der seelenvolle Partner Sophie Kochs, also der Titelheld, ist Marcelo Alvarez. Regisseur des Dramas der Herzen ist Jürgen Rose.

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