Vom Wesen der Illusion

- Eine 40er-Jahre-Kindheit aus dem Fotoalbum als Gemälde; Neonröhren, die falsche Schatten werfen; die detailgenauen "Tre Cime", die aus Styropor und Gips sind. Die Münchner Galerie Six Friedrich/ Lisa Ungar präsentiert gleich drei Künstler auf einen Streich.

<P>Der Münchner Peter Vogt, geboren 1944 in Prag, ist "Auf der Suche nach der verlorenen Kindheit" in einer Serie von Schwarz-Weiß-Bildern. Sie blähen das alte sehr kleine Fotoformat auf, sind leicht verwischt und verfremden auf diese Weise zusammen mit ausgefransten oder scharf gezogenen Bildrändern die Herzigkeit des Buberls, überhöhen die familiäre Alltäglichkeit. Vogt, der sich  schon  lange  malerisch mit Fotos auseinander setzt, vielfältig Grenzüberschreitungen und -aufweichungen ausprobiert, testet hier die Möglichkeiten von Weiß, Schwarz, Grau aus. So wird der Blick in den Kinderwagen mit dem lachenden Babygesicht zum Blick auf ein mächtiges weißliches Rechteck mit einem kühn angeschnittenen Köpfchen; darüber die Mutter: ein Körper-Mittelteil um den Gürtel herum. Andere Arbeiten bleiben näher an der Stimmung von Amateurfotografien - das Kind im Zweireiher-Mäntelchen auf dem Schlitten beispielsweise -, machen auch dem fremden Betrachter die Reaktionsmuster des Sich-Erinnerns bewusst.<BR><BR>Strahlende Drei Zinnen</P><P>Noch ein Münchner ist in der Galerie präsent - in einer Nebenkammer: Obwohl es sich "nur" um kleine Leuchtkästen handelt, spiegelt sich darin viel von seinem Schaffen. Stephan Huber, geboren 1952 im Allgäu, porträtiert immer wieder die Gipfel der Alpen. Schneeweiß strahlt aus dunkel-diffusem Raum jetzt der Dolomiten-Gebirgsstock "Tre Cime" ("Drei Zinnen"). So künstlich die Natur, so künstlich das weiße Zimmer, aus dem der "Kronleuchterträger" marschiert, als schleppe er an der Stange Wassereimer. Am spannendsten sind die Aufnahmen, die Hubers "Handwerk" verraten. Im Atelierraum ist die Eiswüste mit dem Modell des (Kino)-"Shining"-Hauses aufgebaut: Füllstoff, weiße Paste, Eimerchen, Gestänge, Papierbahnen. Das Wesen der Illusion ist das Banale. <BR><BR>Bill Culbert, 1935 in Neuseeland geboren, ist der dritte im Bunde. Der Künstler, der schon mal bunte Plastikkanister in Leuchtkörper verwandelt, zeigt geometrische Neon-Wandarbeiten - mit Augenzwinkern. Die Röhren werden zu hellen Streifen, die sich zu strengen Blöcken formieren oder als "unordentliche" Vielecke die Mauern beleben. Noch "unernster" wird's, wenn schwarzes Klebeband "Schatten wirft" und sogar das weiße Elektrokabel zum ordentlichen Geometrie-Werk dressiert wird.<BR></P><P>Bis 19. Februar, Steinheilstraße 18, Tel. 089/ 52 31 07 17.</P>

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