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Marius Müller-Westernhagen wirkte beim Münchner Auftritt eher desinteressiert. 

Westernhagen als Gesternhagen

München - Der Pfau spreizte sich, schlug Rad, wackelte mit den Flügeln – aber er hob nicht ab. Ein seltsam desinteressierter Marius Müller-Westernhagen gockelte über die Bühne der kaum halbvollen Olympiahalle.

Wenigstens am Ende, bei den alten Krachern, bei den Dicken und beim Pfefferminzprinzen, kam Stimmung auf. Davor verbreitete MMW allzu lang das Gefühl: Kinders, wenn ich nicht gemusst hätte, wäre ich auch nicht gekommen. Im taubenblauen Anzug, mit gepunktetem Hemd und königsblauem Schal, der den ganzen Abend nicht aus der Fasson geriet, verschanzte sich der Ex-Thekenrocker hinter einer ebenso blauen Lennon-Brille mit Goldrand – und werkelte kräftig an seinem schlechten Ruf als bodenenthafteter Bentleyfahrer.

Selbst die Vorstellung der Band überließ er seinem „Musical Director“ Kevin Bents, der selbstverständlich, wie der Großteil der Musiker, „aus Amerika“ kommt. Wobei: Den erdigen Malochersound, der durch die vielen leeren Plätze nur noch breiiger wurde, hätte auch eine Kombo aus Düsseldorf mühelos hinbekommen. Wenn’s zwischendurch Spaß machte, wie beim guten alten „Willenlos“, hätte man Marius am liebsten zugerufen: Reiß Dir endlich das Sakko vom Leib – und gib uns den Theo! Aber der Gockel gockelte weiter – hat er überhaupt geschwitzt? –, und nur die Oldies trösteten. Westernhagen als Gesternhagen.

von Jörg Heinrich

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