Westlich-weibliches Machtsymbol

- Was war zuerst da, das Sexsymbol oder Pamela Anderson? Zu solchen Fragen regt der überformatige Fotoband "Pam - American Icon" an. In Text und Hochglanzbild präsentiert er die "Baywatch"-Nixe als sexuelle Übermutter: als blonde Urgestalt, als westlich-weibliches Machtsymbol, als verführerische Eva im Paradies der Fantasie - selbstverständlich auch im passenden Kostüm.

Nur ein Tag stand dem amerikanischen Berühmtheiten-Fotograf Sante D'Orazio für seine Sitzung mit dem blonden Covergirl zur Verfügung. In einer Villa in Los Angeles setzte er sie zwischen Bambusstängeln kalt in hartes Dschungellicht, ließ sie sich animalisch auf grünem Rasen räkeln oder im Dollarhöschen aufreizen. Seine neue Eva besitzt einen künstlich geformten Körper und wird gewollt in natürliche Scheinwelten entrückt. Was diesen Bildern fehlt, ist ein Geheimnis. Das ist nicht unbedingt Eden - aber trotzdem Erotik. Beim Thema der Pornografie aber lacht D'Orazio - so als existiere dieser Begriff lediglich außerhalb der Kunst, beim Betrachter.

Was den bloßen Bildern an Geheimnis fehlt, liefert ihnen im Buch ein bemerkenswert aufgeblasener, pseudokulturgeschichtlicher Essay des Autors und Kolumnisten Glenn O'Brien. Den Titel beim Wort nehmend, muss seine Pam als Bild für alles herhalten, was dem Amerikaner beim Thema Sexgöttin auch nur vage in den Sinn kommen könnte: vom Goldenen Kalb über den Talibanschreck zum Friedensengel.

Ursprünglich waren D'Orazios Bilder für den "Playboy" gedacht, doch das eigentlich künstlerisch Interessante an ihnen, das Prinzip des Fotografen, eine Bilderserie aus einer einzigen Einstellung heraus zu produzieren, die nur in kleinen Bewegungen und der Farbigkeit variiert, das passte nicht ins Konzept. So entstand der Fotoband - und die Idee, die Bilder für kurze Zeit im Münchner Haus der Kunst auszustellen. Hier wartet nun die Versuchung Pam gleich hinter Paul McCarthys Installation "Fuck-Fort". Nicht unbedingt schmeichelhaft, aber: Das Haus der Kunst versammelt verlorene Paradiese.

Bis 15. September, Tel. 089/ 21 12 71 13; www.hausderkunst.de. Das Begleitbuch erscheint beim Verlag Schirmer/Mosel und kostet 98 Euro.

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