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Matthias Lilienthal verlässt die Münchner Kammerspiele im Juli.

Ende der Intendanz von Matthias Lilienthal an den Münchner Kammerspielen 

Zum Schluss: Das Wetter

  • Michael Schleicher
    vonMichael Schleicher
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Die Münchner Kammerspiele blicken mit einem Sonderheft von „Das Wetter“, dem „Magazin für Text und Musik“, auf die Intendanz von Matthias Lilienthal.

Es ist Tradition der Theaterleiter in München (Frauen gab’s bislang auf diesen Posten keine), dass sie zum Abschied die Jahre ihrer Intendanz zwischen zwei Buchdeckel bringen. Meist geschieht das in Kooperation mit renommierten Verlagen: Die Staatsschauspielchefs Dieter Dorn und Martin Kušej arbeiteten etwa mit Hirmer und Hanser zusammen. Für die Kammerspiele dokumentierte der damals angesagte Blumenbar Verlag die Arbeit von Frank Baumbauer – Johan Simons’ Wirken fand sich im Angebot von Kunstmann wieder. Einen anderen Weg geht nun Simons’ Nachfolger Matthias Lilienthal, der die Stadt Ende Juli verlässt. Das Haus hat die Corona-Zwangspause genutzt, um mit dem Magazin „Das Wetter“, das in Berlin im Selbstverlag erscheint, „ein paar Schlaglichter auf die letzten fünf Jahre an den Münchner Kammerspielen“ zu werfen. Gerade ist das Heft erschienen. 

Wolfgang Tillmans machte das Coverfoto

148 der 244 Seiten drehen sich um Lilienthals Zeit an der Isar: kurzweilig, bunt, unprätentiös, engagiert, lesenswert – und prominent besetzt: Von Fotokünstler Wolfgang Tillmans stammt das Titelbild; Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, deren Stück „Wut“ unter Lilienthal uraufgeführt wurde, hat ebenso einen Text beigesteuert wie der Schauspieler, Autor und Regisseur Josef Bierbichler, der sich herrlich grantig an Lilienthals Startschwierigkeiten erinnert: „Er fiel auf den Boden wie ein Stern von einem anderen Stern und wurde entsprechend behandelt: wie ein Fremdkörper aus dem All, wie ein Meteorit, der gewachsene Gediegenheit zerstört.“

Daneben kommen zahlreiche Mitwirkende zu Wort, die die vergangenen fünf Jahre an den Kammerspielen auf oder hinter der Bühne geprägt haben. All das macht dieses Heft so wunderbar wechselhaft wie das Wetter.

Informationen: 

„Das Wetter #21“. 244 Seiten; 8,50 Euro.

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