Widerspenstige Verführerin

- Sie ist eine Legende. Sie war der Liebling gleich mehrerer Zuschauergenerationen. Und so oft man sie auch auf der Bühne sah, nie ist man hinter das Geheimnis dieser zerbrechlichen Verführerin gekommen. Sie blieb ihr ganzes Bühnenleben lang aufregend: Elfriede Kuzmany. Heute wird die Schauspielerin 90 Jahre alt. Sie lebt zurückgezogen und still in einem Münchner Altenstift.

"Kurz vor der Pause tritt eine Schauspielerin namens Elfriede Kuzmany auf und elektrisiert die Bühne. Miss Kuzmanys Spiel ist ein Triumph der flatternden Verzweiflung. Auch ohne ein Wort Deutsch zu verstehen, weiß man, dass sich großes Theater ereignet." Sie war große Hymnen gewohnt, aber diese Kritik in der Herald Tribune anlässlich eines Gastspiels des Münchner Residenztheaters mit den "Ratten" in New York, 1966, nahm selbst für die Kuzmany einen herausragenden Platz ein. Heute liest man das Lob wie eine Bestätigung ihrer uneingeschränkten Hingabe an das Wort, an die Sprache, die in ihrem Spiel immer den Boden bildete für Gesten, Haltung und Gänge.

Seit 1949 spielte die in Böhmen geborene Kuzmany in München Theater - 30 Jahren am Bayerischen Staatsschauspiel und dann bis in die 90er an den Kammerspielen. Dazwischen Gastspiele in Berlin und Arbeiten fürs Fernsehen.

Gern denkt man zurück u. a. an ihre leicht verschrobene, verarmte Adelsfrau in Botho Strauß' "Schlusschor" und wünschte sich, die Kuzmany noch einmal sehen zu können in ihren Glanzrollen - der Rosalinde und der Heiligen Johanna, der Titania und der Dona Rosita, der Leonore Sanvitale und der Maria Stuart . . . Vermutlich würde sie uns in ihrer widerspenstigen Zartheit, ja, auch in ihrer gewissen Manieriertheit davon überzeugen, dass sie als Legende zeitlos und in Wahrheit nie aus der Mode gekommen ist.

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