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Matthias Schweighöfer und Produzent Dan Maag (l.) drehten in der Rilano No. 6 Bar im Lenbach-Palais an der Ottostraße.

Gespräch am Drehort

"Wie Münchner die Promis ignorieren"

München - Regisseur und zugleich Darsteller: Besuch bei Matthias Schweighöfers Arbeiten zu seinem neuen Film „Vaterfreuden“

Die Mittagspause ist zu Ende – zurück in die Bar. Das heutige Arbeitspensum lautet: tanzen, lachen, Cocktails trinken. Oder zumindest so zu tun. Alles für den Film „Vaterfreuden“, für den in dieser Woche in München gedreht wird.

Die Komparsen sind jung und gut aussehend, elegant gekleidet. Den besten Platz für diese Szene in der Rilano No. 6 Bar im Lenbach-Palais an der Ottostraße haben die drei jungen Frauen, die nicht auf der Tanzfläche stehen und sich zur imaginären Musik im Takt bewegen, sondern vorn im Raum, unweit der Theke. Denn sie sind ganz nah dran am Hauptdarsteller und Mittelpunkt des Films: Matthias Schweighöfer. Er sitzt vor ihnen auf einem Barhocker, Drink in der Hand, spielt Felix, einen Junggesellen, der noch so gar keine Lust aufs Vaterwerden hat und sich stattdessen um seinen Bruder Henne (Friedrich Mücke) kümmern muss.

Doch dann passiert etwas völlig Unerwartetes, und sein Singleleben verändert sich schlagartig. Was, das will Produzent Dan Maag nicht verraten. Doch wenn er in einer Drehpause erzählt, dass es ein „Matthias-Film“ werden soll, dann ist klar: Es wird ein Film mit dieser typischen Schweighöfer-Figur. Maag: „dieser gebrochene, manchmal etwas melancholische, aber trotzdem lustige Typ irgendwo, der es nicht so einfach hat im Leben.“ Ein Film wie „What a man“ oder „Schlussmacher“, Schweighöfers erste Regiearbeiten. Auch bei „Vaterfreuden“, der wohl im Frühjahr 2014 in die Kinos kommt, führt er Regie und ist Hauptdarsteller.

Das Konzept Schweighöfer – es funktioniert. Der manchmal etwas schnodderige Berliner Junge kommt an. Nicht nur bei den drei jungen Frauen, die für die Kamera so tun, als würden sie sich unterhalten, die lachen und an ihren Gläsern nippen. Immer wieder schielen sie neugierig zu dem blonden Schauspieler herüber. Und grinsen verschüchtert, als der kurz in eine Ecke verschwindet, um sich ein frisches Hemd überzuziehen.

Die Blicke von allen Seiten – er ist sie in München eigentlich gar nicht gewohnt: „Die Münchner gucken einen ja oft nicht an in der Stadt. Ich dachte schon, Berlin ist krass“, meint er, doch die Münchner würden das mit dem Ignorieren von Prominenz noch toppen. Ist das nicht auch mal angenehm, nicht immer angesprochen zu werden? „Ich wollte in dieser Woche ins Olympiastadion, und da bin ich zum Pförtner und hab mit dem gesprochen. Der hat mich nicht einmal angesehen. Ich sag’ mal so: Wenn ich mein Kind erziehe, sage ich: Guck die Leute an, wenn du mit denen redest.“ Schweighöfer hat eine dreijährige Tochter.

Er ist also Experte – was sind sie denn, die Vaterfreuden? „Natürlich morgens aufzuwachen, wenn mein Kind dann da ist. Dass die Kleine jetzt gerade Schwimmflügel trägt – über so was freue ich mich sehr. Und dass sie schon mit mir diskutieren kann.“ Die Entwicklungen der Kleinen genießt Papa Schweighöfer: „Dass sie jetzt bald in die Schule kommt – das ist schon toll“, sagt er nicht ohne Stolz. Und doch steckt auch in ihm manchmal ein bisschen Felix, ihn kann die Tochter durchaus nerven: „Na ja, es gibt natürlich Zeiten, da ist man müde, dann bleiben die Kinder bis 22.30 Uhr wach, wollen nicht schlafen, betteln ewig um ein Stückchen Schokolade. Das kann stressen, aber letztlich weiß man doch – wenn sie im Bett liegen und schlummern – wie cool Kinder eigentlich sind.“

Dass Papa Matthias mal müde ist, man mag es fast nicht glauben. Denn trotz intensiver Dreharbeiten („Ich gehe um ein Uhr ins Bett und stehe um fünf auf.“) ist er hellwach und voll konzentriert, wenn er als Hauptdarsteller den lockeren Typen spielt und zugleich als Regisseur Anweisungen gibt, wie Kollege Mücke seine Texte noch besser betonen könnte.

Kaum ist die Szene im Kasten, läuft er hinüber zum Monitor und freut sich wie ein Kind darüber, wie Filmbruder Henne versucht, eine der Damen an der Bar mit Eierlikör zu betören. „Du weißt doch: Betrunken ist man erst, wenn man am Boden liegt und sich festhält“, wiederholt Schweighöfer und lacht laut. Regisseurfreuden. Denn: Ein bisschen erwachsener sei er zwar geworden durchs Vatersein. Doch ein bisschen Kindlichkeit, die bleibe doch erhalten.

von Katja Kraft

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