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Zerstörtes Wahrzeichen: Zwischen 1958 bis 1963 wurde das Münchner Nationaltheater rekonstruiert.

Wiederaufbau der Oper: Eine Staatsregierung mit Fracksausen

München - Ganz am Ende türmte sich noch ein Hindernis auf: die Bekleidung. Frack hatte Bayerns Staatsregierung für die Herren gefordert.

Doch viele Kartenbesitzer für die „Frau ohne Schatten“ meuterten. Die SPD-Fraktion witterte einen Rückfall in uralte Zeiten, sodass sich die freistaatliche Protokollabteilung schließlich zu einem Zusatz auf der Einladung bequemte: Auch Smoking sei angemessen.

So leicht ließen sich die Bürger also von den Behörden nichts vorschreiben. Typisch für die gesamten Vorgänge um den Wiederaufbau des Münchner Nationaltheaters war das. Denn mit einer Rekonstruktion jenes Baus, der in der Bombennacht vom 2. auf 3. Oktober 1943 zerstört wurde, mochte sich die Staatsregierung zunächst gar nicht anfreunden. Sie blockte. So lange, bis sie kapitulieren musste – vor dem Engagement der Bürger.

Die Münchner wollten ihr „altes“ Nationaltheater wiederhaben. Über 100 000 Unterschriften wurden gesammelt. Und Ende 1951 gründete sich der „Verein zur Förderung der Erhaltung und des Wiederaufbaus des Nationaltheaters“, der sich später zu den noch heute existierenden „Freunden des Nationaltheaters“ umbenannte. Im Fasching 1952 wurde ein Ball veranstaltet, dessen Erlös aufs Wiederaufbaukonto überwiesen wurde. Und eine Tombola erbrachte die Summe von 5,5 Millionen Mark. Fast zehn Prozent der späteren Baukosten waren das – die Staatsregierung musste nun reagieren.

Zwischen 1958 und 1963 entstand nun eine (fast) identische Version des alten Baus, verantwortlich waren die Architekten Gerhard Graubner und Karl Fischer. Und jene, die das Vorhaben staatlicherseits mit Missbehagen beäugt oder sich dagegen gesträubt hatten, sonnten sich bald im Glanz eines der schönsten Theaterbauten weltweit.

Zur Eröffnung wurde das Volk allerdings nach draußen verbannt: Die Festaufführung der „Frau ohne Schatten“ gab es nur für geladene Gäste, dementsprechend hoch die Promi-Dichte von Curd Jürgens über das politische „Who’s Who“ bis zu Exkönig Umberto von Italien. Für Generalmusikdirektor Joseph Keilberth war die Wahl der Strauss-Oper ein Herzenswunsch, eine „Zauberflöte“ war vorab verworfen worden. Die erste öffentliche Vorstellung war zwei Tage später die Premiere von Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ – und das zu Kartenpreisen von (nicht nur damals) utopischen 500 Mark. Münchner Großbanken und Versicherungen nutzten das gesellschaftliche Spektakel auf ihre Weise: Sie kauften mehr als ein Drittel der besten Plätze auf.

Der 21. November 1963: nicht nur die Stunde null des Nationaltheaters, sondern ein denkwürdiges Datum der deutschen Kulturhistorie. „An diesem Fest- und Freudentage“, so empfahl Ministerpräsident Alfons Goppel in seiner Rede zur Wiedereröffnung, solle man einander das „ganze Auf und Ab des Planens“ nicht mehr ins Gedächtnis rufen. Wie es eben so klingt, wenn sich eine wie ertappte Politik dem Bürgerwillen beugen muss.

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