Wiedergeburt von Vivaldis "Motezuma"

- Mehr als 270 Jahre schlummerten die Noten zur Oper "Motezuma" von Antonio Vivaldi in den Archiven. Am Mittwoch erlebte das Werk in einer alten Düsseldorfer Fabrikhalle eine zwar äußerlich nicht glanzvolle, dafür aber musikalisch respektable Wiedergeburt. Die Festivals "Altstadtherbst" Düsseldorf und Opera Barga in der Toskana zeichneten für die Produktion verantwortlich, die ihren endgültigen Schliff erst in Deutschland erhielt.

Denn juristische Querelen sorgten dafür, dass das Unternehmen quasi zu einer zweiten Uraufführung wurde - nach der ersten 1733 in Venedig. Die Premiere in Barga, die unter dem Druck einer Einstweiligen Verfügung stand, hatte noch aus einer in aller Eile zusammengestoppelten Abfolge von bereits bekannten Kompositionen Vivaldis bestanden. Das von der Sing-Akademie zu Berlin erreichte juristische Verbot, das originale Notenmaterial zu benutzen, wurde vom Gericht erst aufgehoben, als es für die Italiener zu spät war.

Dabei hatten Stefan Voss und Frederico Maria Sardelli die Oper keineswegs vollständig in den Archiven der Sing-Akademie gefunden, die Urheberrechte beansprucht hatte. Die vollständige Fassung musste mühsam aus verschiedenen Einzelteilen zusammengesetzt werden.

Juristische Querelen sind ausgestanden

Frederico Maria Sardelli übernahm auch die musikalische Leitung der Produktion. Mit dem Orchester Barocco Modo Antiquo aus Florenz brachte er den Barockdiamanten zum Glänzen, einige kleine Patzer am Anfang waren schnell vergessen. Das Inszenierungsteam mit Uwe Schmitz-Gielsdorf an der Spitze stand vor keiner einfachen Aufgabe. Immerhin sah das Libretto bühnenwirksame Massenszenen in ausgedehnten Kulissenlandschaften vor. Nichts von alledem war zu sehen. Dafür baute der Regisseur auf die sängerische Wirkung der Darsteller, die auf sparsam mit zwei Seitensegeln dekorierter Bühne in schlichten Gewändern agierten. Hier entwickelte sich das Drama um Aztekenkönig Motezuma und seine Gefangennahme durch die christkatholischen Spanier in subtiler Behutsamkeit. Großer, frenetischer Beifall für alle Beteiligten.

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