Auf Wiedersehen mit Dankeschön

- Spekuliert wurde schon seit langem. Nun ist es Gewissheit. Wegen "enttäuschender Erfahrungen" mit der Suhrkamp-Verlagsleitung wird Martin Walser (76) mit seinem gesamten Werk nach fast 50 Jahren zum Rowohlt Verlag wechseln. Zunächst hieß es nur, dass Walser seinen neuen Roman "Der Augenblick der Liebe" und die Aufsatzsammlung "Die Verwaltung des Nichts" 2004 bzw. 2005 bei Rowohlt herausbringen wird.

<P>Nach dem Tod von Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld (am 26. Oktober 2002) gelte bei Suhrkamp "nicht mehr literarische Vielstimmigkeit als das oberste Prinzip", sagte Walser. "Zu Zeiten Unselds hatten wir Autoren früher alle Platz." Bei seinem 2002 erschienenen Roman "Tod eines Kritikers" sei die neue Verlagsleitung gegen "einen von außen angezettelten Skandal in die Knie gegangen. </P><P>Das wäre bei Siegfried Unseld niemals passiert", sagte Walser, der mit dem Verleger befreundet war, und fügte hinzu: "Die, die in die Knie gingen, sind heute noch da, deshalb gehe ich. Unseld hatte das Buch selber noch gelesen und wollte es bringen, aber er konnte sterbenskrank nicht mehr handeln." Über die Unseld-Witwe Ulla Berké´wicz, die den Verlag heute leitet, wollte sich Walser nicht äußern.<BR><BR>In der Hauptperson des Buches "Tod eines Kritikers" wird kaum verklausuliert Literaturkritiker Reich-Ranicki auf literarisch wie moralisch anstößige Weise karikiert. Walser hat nach eigener Darstellung 1997 mit Siegfried Unseld eine "schriftliche Vereinbarung" getroffen. Danach kann der Schriftsteller im Fall des Ausscheidens von Unseld als geschäftsführender Gesellschafter des Suhrkamp Verlages die Rechte an seinem Werk zurückfordern. "Das habe ich nun getan, und ich will natürlich, dass meine Werke komplett künftig bei Rowohlt erscheinen."<BR><BR>In einem Offenen Brief an alle Suhrkamp-Mitarbeiter verabschiedet sich Walser mit Dankbarkeit: "Sie in den vielen Zimmern haben mich immer und, wie ich glaubte, anstrengungslos behandelt, als bestünde der Verlag nur aus mir, als wäre ich überhaupt der einzige Autor. Das war und ist eine Illusionsglanzleistung. Spitze. So etwas wissen Autoren zu schätzen."<BR></P>

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