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Ein Hollywood-Klassiker, der unter anderem am Walchensee gedreht wurde: „The Vikings“ (1958) mit Kirk Douglas, der den Wikinger-Prinz Einar spielt und hier Aella (Frank Thring) schultert.

Die Wikinger kommen - seit 50 Jahren

Der Walchensee ist seit jeher fest in Wikinger-Hand: Nicht nur Michael Bully Herbig drehte da seinen Film „Wickie und die starken Männer“, sondern auch Kirk Douglas, Tony Curtis und Christopher Lee fühlten sich hier, im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, an einen norwegischen Fjord versetzt.

Bully zu Gast am See

Bully Herbig kommt am Freitag nach Walchensee und schaut sich sein Filmdorf „Flake“ an, das zu einer Begegnungsstätte umgebaut wird. Um 20 Uhr beginnt eine Gesprächsrunde im Gasthaus Edeltraut. Herbig diskutiert mit Bürgern, was in „Flake“ geschehen kann. „Der Termin ist eine völlige Ausnahme. Normalerweise macht er das nicht“, sagt Ilona Hüttersen, die die Öffentlichkeitsarbeit für den „Wickie“-Film macht.

(müh)

„Jetzt seid ihr also schon wieder da!“ Mit diesen Worten begrüßte Grundstücksbesitzer Hans Oswald sen. im vergangenen Jahr Regisseur Michael Bully Herbig. Oswalds „Seppenbauernhof“ liegt in der idyllischen Sachenbacher Bucht auf der Ostseite des Walchensees in der Gemeinde Jachenau. Fast vier Drehwochen hielt sich Bully Herbig im August und September 2008 mit seinem Team am See auf und hatte dort das Comic-Wikingerdorf Flake nachbauen lassen. „Ich hab’ echt nicht gewusst, dass wir hier in solche Fußstapfen treten“, sagt Herbig. Eingerahmt von Herzogstand (1730 Meter) und Heimgarten (1790 Meter), dichten Tannenwäldern und kristallblauem Wasser, sieht es „hier wirklich aus wie an einem norwegischen Fjord. Wir hätten in ganz Skandinavien nichts Besseres finden können“, beschreibt Herbig einen Drehort in der Bucht. Seine Crew hatte sich vorher auch in Norwegen, Schottland und Estland nach einer geeigneten Kulisse umgeschaut. Doch der Walchensee stach alles aus. Der große Vorteil: Das Wetter im bayerischen Voralpenland ist relativ stabil und nicht so wechselhaft wie in Nordeuropa.

Bilder von Bullys „Wickie“

Ähnlich wie Herbig erging es vor 50 Jahren auch schon großen Hollywood-Stars. Der Kinofilm „The Vikings“ mit Kirk Douglas und Tony Curtis in den Hauptrollen wurde 1958 am Walchensee gedreht. Es folgte die US-Fernsehserie „Tales of the Vikings“ mit insgesamt 39 Episoden. Kirk Douglas war Mitproduzent, Christopher Lee spielte die Hauptrolle. Vor 50 Jahren sah nicht nur der Alltag am Walchensee, sondern auch die Freizeit- und Tourismuswelt freilich noch ganz anders aus.

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Uraufführung von "Wickie und die starken Männer"

Hätte Herbigs Crew die Sachenbacher Bucht nicht hermetisch abgeriegelt, hätte der neue Wickie-Film vermutlich gar nicht gedreht werden können: Rund 10 000 Schaulustige pilgerten während der Drehzeit an den Walchensee, an einem Bilderbuch-Sommersonntag kamen allein 2000 Leute zum Bauernhof von Familie Oswald und reckten an der Absperrung die Hälse.

Vor 50 Jahren waren dagegen Zuschauer willkommen. „Wir durften sogar mit dem großen Drachenboot über den See fahren, damit der Schulweg nicht so lang war“, erinnert sich Hans Oswald. Mit den großen Stars aus Hollywood habe er sich als neunjähriger Schulbub im Nachkriegsdeutschland natürlich nicht verständigen können.

Auch Günther Schwaller aus Obersteinbach hat die Dreharbeiten zu „The Vikings“ miterlebt. Mit seinem Vetter Hans fuhr er sonntags mit dem Moped zum See, und gemeinsam ruderten sie hinüber zum großen Boot. Am Ufer machten sie Fotos mit einer kleinen Agfa-Box 6x9.

Für die wenige Jahre später gedrehte Fernsehserie „Tales of the Vikings“ wurden sogar Statisten aus der Region angeheuert. Beim örtlichen Trachtenverein wurde damals nachgefragt, ob nicht Laiendarstellerinnen Lust hätten mitzumachen. Einzige Voraussetzung: Sie mussten langes, wallendes Haar haben. Sechs junge Frauen wurden schließlich ausgewählt, englische Sprachkenntnisse waren nicht vonnöten. Diese „Wikingerinnen“ mussten nur am Ufer stehen und ihre Männer nach einer langen Schiffsreise winkend willkommen heißen.

Auch inhaltlich unterscheiden sich die Produktionen der Fünfzigerjahre und der „Wickie“-Film, der in zwei Wochen im Kino startet, stark. Bully Herbig hat die Zeichentrickserie aus den Siebzigern als Vorbild verwendet und einen Familienfilm gedreht. Die alten Schwarz-Weiß-Filme sind dagegen heroenhaft angelegt und versetzen den Zuschauer ins 8. Jahrhundert zurück, als die Wikinger an Europas Küsten Angst und Schrecken verbreiteten. Gemein ist allen drei Produktionen jedoch, dass nur die Wohnszenen am Walchensee gedreht worden sind.

Für die Wasserkampfszenen verfrachtete Bully Herbig sein Schiff nach Malta, die US-Amerikaner zogen weiter nach Kroatien. Das Drachenschiff ließen sie übrigens am Walchensee zurück, es lagerte jahrelang in einer Bootshütte in Urfeld, verrottete dort. So etwas soll jetzt nicht mehr vorkommen: In der Sachenbacher Bucht hat Hans Oswald eine Tafel aufgestellt, die über die Filmaufnahmen berichtet. In der kleinen Ortschaft Walchensee am anderen Ufer kann man bald durch Herbigs Filmdorf „Flake“ spazieren. „Nicht nur Kinder, auch Erwachsene hatten am Drehort leuchtende Augen“, schmunzelt Kochels Bürgermeister Thomas Holz. Die Gemeinde hat fünf Hütten gekauft und rüstet sie gerade zu einer Begegnungsstätte um, in der die Besucher vieles über das richtige Leben der Wikinger erfahren können. Eröffnung ist am 12. und 13. September. Weitere Kulissen stehen übrigens in den Bavaria-Filmstudios.

von Christiane Mühlbauer

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