Wikinger, Welten und Walküren

München - Hey, hey, Wickie zum Zweiten: Nach dem großen Erfolg von Michael „Bully“ Herbigs „Wickie und die starken Männer“-Realverfilmung gibt es im September eine Fortsetzung des Wikingerspektakels. Regie in „Wickie auf großer Fahrt“ führt nicht mehr Bully Herbig, sondern Christian Ditter.

Der Neue, Christian Ditter, hat sich als Regisseur für temporeiche Familienunterhaltung („Vorstadtkrokodile“) bereits einen guten Namen gemacht. Zurzeit dreht er in der Münchner Bavaria. Wir waren einen Tag lang dabei. Der Eispalast ist aus Styropor. Sieht man aber nicht. Sobald die Scheinwerfer eingeschaltet sind, glitzert und funkelt das prächtige Eisschloss, in dem das Finale von „Wickie auf großer Fahrt“ stattfinden wird, dass man von all der glänzenden Pracht schier geblendet ist. Dabei handelt es sich eigentlich nur um Styropor - und Plastik. Besprüht mit handelsüblichem Glitzerspray.

„Ursprünglich wollten wir das Finale im Eispalast in einer Kühlkammer drehen“, erzählt die Produktionsassistentin. „Das stellte sich aber schnell als keine gute Idee heraus. Für das Team zumindest. Denn die hätten sich ja ständig warm einpacken müssen“, lacht sie. Also wurde das Eis mit Styropor, Salz, Kunstschnee, Glitzerfarbe und Vivak, dem Material der PET-Flaschen, nachempfunden. „Mit Vivak kann man großartige Sachen machen, die im entsprechenden Licht wirklich aussehen wie glänzendes Eis. Anschließend wird das Ganze aber natürlich noch am Computer mit VFX erweitert“, erklärt Christian Becker, der Produzent des Films.

Computer sind am Set von „Wickie auf großer Fahrt“ von großer Bedeutung. Der gesamte Film wird komplett mit zwei Kameras in 3D gedreht. „Das ist zwar aufwändiger“, gibt Becker zu. „Aber das Ergebnis ist von einer wesentlich höheren Qualität, der Film bietet ein ganz anderes Seherlebnis.“

Dazu steht ein kleines schwarzes Zelt mitten in der Halle 12 des Bavaria Film-Geländes. In diesem Zelt, das vollgepackt ist mit modernster Computertechnik, können die 3D-Experten einer Spezialfirma immer auf Bildschirmen begutachten, was parallel gerade irgendwo in der Halle gedreht wird - und gegebenenfalls Anweisungen geben, die eine oder andere Szene bitte noch einmal zu wiederholen.

Doch die neue Technik bereitete dem Produzenten im Vorfeld gar nicht viel Kopfzerbrechen: „Das Schwierigste für diesen zweiten Wickie-Film“, gesteht Becker, „waren die neuen Welten, die wir erschaffen mussten“. Das Wikingerdorf Flake, das für den ersten Wickie-Film 2009 extra am Walchensee nachgebaut wurde, ist natürlich auch diesmal wieder zu sehen. Mit dem ebenfalls bereits bekannten Schiff liefern sich die wilden Männer diesmal rasante Verfolgungsjagden. Auch in wirklich fürchterliche Stürme geraten die armen Kerle hinein. „Es ist wichtig, auf das Bekannte noch eins draufzusetzen“, erklärt Becker. „Das Neue in ‚Wickie auf großer Fahrt‘ wird die Reise sein, die ihn zu den schönen Frauen führt, zu Walküren und Amazonen“, freut sich Becker. „Daneben treten Raubritter auf, es gibt Burgen zu sehen, und dann schließlich das große Finale in der Eiswüste.“ Für jede Altersgruppe ist etwas dabei, und es versteht sich von selbst, dass die Actionszenen trotz aller digitalen Aufbereitung und 3D-Effekte natürlich kindgerecht ausfallen werden.

„Bei mir ist sowieso alles 3D“, lacht Waldemar Kobus, der Wickies Vater Halvar spielt: „Ich habe vor Drehbeginn einfach etwas mehr gefuttert. Dann wurden Extensions in meinen eigenen Bart eingeflochten - und schon ist Halvar 3D!“ Für Kobus sind die Dreharbeiten in München eine Erinnerung an alte Zeiten, schließlich hat der Schauspieler sein Handwerk an der Falckenbergschule erlernt. Nach vielen Jahren auf den Bühnen in Frankfurt, Bochum, Stuttgart, Zürich, Wien und Köln ereilte ihn nach Eigendiagnose „der große Theaterkoller“. „Da war klar, dass ich mich schnell anderen Dingen zuwenden muss“, sagt er mit Nachdruck. Kobus spielte zum Beispiel in Paul Verhoevens „Black Book“ mit oder in Brian Singers „Operation Walküre“ neben Tom Cruise. „Ich erwische mich sogar dabei, wie gern ich zum Drehen gehe. Zu ‚Wickie‘ sowieso. Das ist ein gigantischer Abenteuerspielplatz. Hier in ‚Wickie‘ dabei zu sein, das ist ja nicht nur eine tolle Spinnerei, sondern auch ein Stück Vergangenheitsbewältigung. Die Zeichentrickserie habe ich als Kind gesehen. Das jetzt selbst zu spielen, ist einfach total verrückt.“

Selbst das Warten auf die nächste Szene stört Kobus nicht wirklich: „So lange lässt man uns schon nicht warten. Das wäre für die Produktion ja viel zu teuer“, bekräftigt er gut gelaunt. In der Nähe sitzt Jörg Moukkaddam, der riesige Darsteller des dicken Faxe. Moukkaddam ist bereits fertig kostümiert und geschminkt und blättert, eingehüllt in eine hellblaue Fleecejacke mit den Ausmaßen eines Dreimannzeltes, in einer Illustrierten.

So viel Muße hat Wickie-Darsteller Jonas Hämmerle nicht. Zum einen, weil er in fast jeder Szene präsent sein muss. Zum anderen, weil sein Privatlehrer hinter den Kulissen auf ihn wartet. Damit Jonas, der in Berlin die siebte Klasse der John-F.-Kennedy-Highschool besucht, nach den Dreharbeiten keine allzu großen Lücken hat, hat die Produktionsfirma ihm für die drehfreie Zeit Unterricht organisiert. Mehr als sechs Stunden am Tag darf Jonas ohnehin nicht arbeiten. Drehfreie Zeiten von Kindern werden am Set trotz Stress und Zeitdruck penibel eingehalten.

Daher gibt es für Jonas - wie für alle Kinder am Filmset auch - ein Double: Der ebenfalls schon kameraerfahrene Jona Ruggaber ersetzt Jonas in vielen Szenen, in denen man den Jungen mit den roten Haaren und dem Wikingerhelm nur von hinten oder aus der Ferne sieht. Ob man das im September 2011 im Kino noch erkennen wird?

von Ulrike Frick

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