Vom Wild zum Mann

- Die Zahl der unergründbaren Wesen hält sich in Grenzen - sie beschränkt sich auf Mann und Frau. Und auf das, was zwischen ihnen ist, sei es Liebe, Lust oder Spiel. Mutig wählt die Frau den Einen für den Ernst und den Rest für den Spaß. Der Mann aber ist ein Feigling, so oder so: Der Eine fürchtet sich vor dem Tod, der Rest - und das ist schlimmer - vor dem Leben.

<P>Und doch muss man ihn lieben, schließt Franç¸oise Sagan die Geschlechterthese ihrer Komödie "Geliebter Feigling" - so oder so. Doch vorher muss eine imposant energievolle Monika Baumgartner in der Kleinen Komödie am Max II in München erst einmal das Jagdterrain wechseln - vom Wild zum Mann.<BR><BR>Noch ahnt ihre Hannah nicht, was den Geschlechtern außer Misstrauen noch alles möglich ist. Dass Friedrich von Komburg, der schöne Jüngling, die Frau des besten Schützen Wiens vernascht. Dass er anschließend ihr, dessen alt-jüngferlicher Schwester, nur deshalb einen Heiratsantrag macht, um einem Duell zu entgehen. Dass bald aus einem wirren Wechselspiel eine Dornröschen-Erweckung aller Beteiligten werden wird.<BR><BR>Von Eberköpfen zu Samtvorhängen ist es auf Hans Winklers Versatzstückbühne nur ein kleiner Schritt; die Umbaupausen füllt ein vorweg genommenes Neujahrskonzert. Unter Yves Jansens flotter Regie wandelt sich Baumgartner von einer resolut-mannsweibischen Diana mit Schnaps und Gewehr zur resolut-fraulichen Venus in Ballkleid und Korsage. Die bringt den Gatten mit ihren "Scharmützeln" zur Erschöpfung. Ein äußerst ungleiches Paar: eine hitzige Hannah und ein sanfter Friedrich, eine kräftige Monika Baumgartner und ein schlaksiger Stefan Roschy.<BR><BR>Die unterhaltsame Hatz im ersten Teil ringt nach der Pause erschöpft um komödiantischen Atem. Das Stück der Erfolgsautorin von "Bonjour tristesse" leidet unter zwangvollem Happy End und zwangvoller Lebensmoral: Stirb nur für die Liebe, es sei denn, sie gilt dem Leben!<BR><BR>Dagegen kommen auch die fein ausgespielten skurrilen Typen des Ensembles nicht an. Abwarten, heißt es nun. Bis zu einem provokativen Epilog, bei dem wieder alles beim schrägen, spaßigen Alten ist: "Waffen rosten so leicht, wie Frauen Pickel bekommen, wenn man sie nicht gebraucht." So lautet nämlich die eigentliche Moral.</P><P>Bis 13. Februar 2005, tägl. 20 Uhr, sonn- und feiertags 18 Uhr, Tel. 089/ 22 18 5 .</P>

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