Wilde Venus

- "Das sensationellste Weib, das Menschenaugen je gesehen haben", nannte Ernest Hemingway seine Landsmännin Josephine Baker. Die amerikanische Tänzerin und Sängerin wurde als Personifikation des Jazz Hot und für ihre wilde Art zu tanzen bekannt. Baker machte den Charleston in den 1920er-Jahren zur Sensation und schockierte das europäische Publikum mit ihrer Sinnlichkeit. Am morgigen Samstag wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Josephine Baker war zu jener Zeit ein Skandal. Sie trug nichts weiter am Leib als einen goldenen Bananenschurz und einen Federbausch - und wurde als schwarze Venus gefeiert. Allerdings hielt die Kirche während ihres Gastspiels 1928 in Wien Sondergottesdienste ab - als Buße für schwere Verstöße gegen die Moral. Und im Schweizer St. Moritz bat man sie wegen ihrer afroamerikanischen Herkunft zum Dienstboteneingang. Allen Vorbehalten zum Trotz galt Josephine Baker schon damals als einer der bedeutendsten Showstars des 20. Jahrhunderts. Während des Zweiten Weltkrieges stieg sie im Widerstand, der Ré´sistance, auf.

Dafür wurde ihr unter anderem der Orden der französischen Ehrenlegion verliehen. Als sie am 12. April 1975 mit nur 68 Jahren starb, widmete Frankreich Josephine Baker ein Staatsbegräbnis mit 21 Salutschüssen. Sie war die erste Amerikanerin, der diese Ehre zuteil wurde. Zu ihren Bewunderern gehörten Pablo Picasso und die Sängerin Edith Piaf. Ebenso verehrt wurde sie von dem Komponisten George Gershwin und Frankreichs damaligem Regierungschef Charles de Gaulle.

Dafür hatte sie in ihrem Privatleben wenig Glück. Baker heiratete dreimal. Nach einer Fehlgeburt, die ihr verbot, selbst Kinder zu bekommen, adoptierte sie zwölf Waisen verschiedener Nationalitäten und Religionen. Diesen Regenbogen-Kindern bot sie ein Zuhause in einem eigens dafür erworbenen Schloss in Les Milandes, einem Dorf in der Dordogne. Doch die Spenden für den französischen Widerstand und ihr luxuriöser Lebensstil führten zum Bankrott. Am Ende sprang Fürst Rainier ein und stellte Baker in Monaco ein Haus zur Verfügung, in dem sie bis zu ihrem Tod wohnte.

Am 3. Juni 1906 als unerwünschte Tochter einer schwarzen Wäscherin und eines spanischen Kaufmanns in St. Louis geboren, lernte Josephine Baker schnell, mit der harten Umwelt fertig zu werden. Mit 16 schloss sie sich einer kleinen Wandertruppe an. Dem Publikum gefiel die kleine Dürre am Ende der Chorus Line, die in beeindruckendem Tempo ihr Hinterteil bewegen konnte.

1926 gründete Josephine ihren eigen Nachtclub "Chez Josephine". Sie wurde zum schwarzen Sexsymbol. Ihr gelang es, erotische Strahlkraft mit dem Verlangen nach menschlicher Zuneigung zu verbinden.

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