Wildes Europa

Moskau zeigt Beutekunst: - Bei der Merowinger-Ausstellung in Moskau kommt es auf das Kleingedruckte an. Ein Sternchen auf den Erläuterungstafeln steht für "MVF Berlin, bis 1945". Diese Schmuckstücke oder Schwerter stammen aus dem Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin. Sie lagern seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Beutekunst in den Geheimdepots russischer Museen.

Ein Gesetz hat sie zu russischem Eigentum erklärt. Die Exposition im Moskauer Puschkin-Museum zeigt bis 13. Mai die Welt der Merowinger vom 5. bis 8. Jahrhundert als ein "Europa ohne Grenzen". Doch um die Schau zu Stande zu bringen, mussten viele Grenzen überwunden werden in einem kulturpolitischen Kraftakt zwischen Deutschland und Russland.

Jetzt erst haben das Puschkin-Museum und das Historische Museum in Moskau sowie die Eremitage in St. Petersburg ihre Kisten mit Beutekunst aus dem frühen Mittelalter geöffnet. Erstmals hat das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte eine solche Schau durch Leihgaben ergänzt. In Vitrinen scheinen die kleinen Kostbarkeiten aus Gold, Bronze, Glas oder Edelsteinen zu schweben. Die Grabbeigaben erzählen von den wilden Jahrhunderten, als die Germanen das Römische Reich zerstörten und neue Staaten gründeten, als von Osten die Hunnen nach Europa stürmten. Heidnische Raubvogelsymbole und erste christliche Kreuze gehören beide in die Epoche der Merowinger.

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