Wildschweine statt Mozart

- Was haben Casanova, Jean Paul und Joseph Beuys gemeinsam? Sie konnten in München nicht landen. So nennt es jedenfalls Wolfgang Sré´ter, der die Textfassung für "Die München Revue oder Kein Platz für den Maestro" erstellte. Ab heute zeigt das Varieté´ im Münchner Theaterzelt "Das Schloss" in 16 kleinen Szenen, wie große Geister, unbequeme Zeitgenossen und wahre Genies ihre liebe Not hatten mit München. Und der Stadt manchmal auch ganz verloren gingen.

<P>Mozart etwa. Als Sechsjähriger war er von der Residenzstadt gefeiert worden. Als er aber vorstellig wurde, um sich als Hofkomponist zu bewerben, da dachte Max III. Josef so intensiv an die bevorstehende Wildschweinjagd, dass er sich die musikalische Trophäe, die vor ihm stand, durch die Lappen gehen ließ. Mozart schildert das ausführlich, fast dialogisch in einem Brief.<BR>Aus solchen Originaltexten hat der Autor Sré´ter kleine Theaterszenen geformt und Liedverse geschmiedet, um sie Lola Montez, Franziska von Reventlow oder Oskar Maria Graf in den Mund zu legen: Lustige bis jammervolle Lieder. Tanzbar sollten sie sein und gut singbar auch für einen Schauspieler. Das war die Vorgabe für den Schauspielmusiker Rudolf Gregor Knabl.</P><P>Der Komponist malte keinen Bilderbogen, die stilistischen Versatzstücke der Epochen zusammen schusternd. "Nicht die historische Entsprechung interessierte mich, sondern eine verbindende, musikalische Grundstruktur, mit den Mitteln von heute." So hat er für ein Ensemble komponiert, das mit Blechbläsern, Gitarre, Kontrabass, E-Bass, Schlagwerk, Percussion, Keyboard und Akkordeon am ehesten einer Streetband ähnelt. "Die Musik ist eingängig, aber nicht glatt, sie hat Widerhaken", sagt Knabl.</P><P>Ein Musical der gehobeneren Art vielleicht? "Das Stück ist auf dem Weg dahin, ja. Der Unterschied: An erster Stelle stehen nicht die Songs, sondern Stücktext und -dramaturgie." Ein mosaikhaftes Bild der Stadt soll dadurch entstehen, aber ohne anbiederndes Lokalkolorit. Und dafür scheut die Produktion von Regisseur Martin Politowski keinen Aufwand: Musiker, Choreographin, Bühnen- und Kostümbildner stehen den sechs Schauspielern zur Seite. Weil zwei von ihnen, die Forsche und der Zauderer, durch die Revue begleiten, sind es vier, die sich immerhin 54 Rollen teilen und den fliegenden Wechsel bewältigen müssen: Von Kostümen und Spielstilen, Figuren und Charakteren, und zwar von Casanova bis Beuys.Christine Diller</P><P>Bis 16. Oktober. Telefon 089/ 300 30 13.<BR>Autor Wolfgang Sré´ter (li.) und Rudolf G. Knabl, musikalischer Leiter des Bayerischen Staatsschauspiels.Foto: R. Zimmermann<BR></P>

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