So will ich es hören

- "Ich bin jetzt 84, werde natürlich ein bisschen früher müde als in jüngeren Jahren, aber andererseits, wenn sich jemand mit Musik beschäftigt, bleibt das als Lebensqualität und auch als Inspiration. Mit Musik zu arbeiten wie ich, macht Freunde und bedeutet Stimulanz." - Solange wie es ihm möglich sein wird, geht Eric Ericson, der Nestor unter den internationalen Chordirigenten, seinen zahlreichen Konzertverpflichtungen nach, obwohl er offiziell seit 20 Jahren pensioniert ist. Er sagt das mit einem Funkeln in den Augen, und verschmitzt zählt er die Termine dieses Jahres auf. Einer davon ist morgen im Münchner Prinzregententheater mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks.

<P>Es gab eine Periode im Leben von Eric Ericson zwischen 1950 und 1980, von der er meint, dass er sicherlich ein bisschen zu viel gemacht hat, Kirche, Funk, Musikhochschule und Meisterkurse. Und wenn ihm damals jemand gesagt hätte, "Ericson, du kannst nur einen Job haben, dann hätte ich ohne zu zögern Musikhochschule gesagt, weil mir der Unterricht junger Studenten am liebsten und wichtigsten war".</P><P>Noch heute wird der 1918 geborene Schwede, der die internationale Chorszene seit über 50 Jahren wie kein anderer geprägt hat, von vielen seiner ehemaligen Schüler konsultiert. Um 1945 gründete er in Stockholm seinen ersten Kammerchor. Insbesondere hat er mit dem Rundfunkchor Stockholm (1951-1982), dem Ensemble Orphei Drängar (1951-1991) und dem Stockholmer Kammerchor, der sich 1988 seinem Gründer und Leiter zu Ehren in Kammerchor Eric Ericson umbenannte, einen enormen Beitrag zur Anerkennung des a-cappella-Chorgesangs als hohe Form des Musizierens geleistet.</P><P>Ericsons Repertoire reicht von der Alten Musik bis zur Moderne. Unerhört wichtig findet er nach wie vor die Ausbildung von Chordirigenten: "Ohne diese entsteht keine gute Chorkultur, und es muss Dirigenten geben, die nicht nur die exklusivsten Profichöre dirigieren können, sondern auch Kirchen-, Universitäts- und Laienchöre. Und die ein Repertoire entwickeln können. Gut ausgebildete Chordirigenten bringen auch gute Chöre hervor." In München bewundert Ericson beispielsweise den Via Nova Chor. Dort werde eine Repertoirepflege von a-capella Kompositionen betrieben, die er sehr wichtig findet.</P><P>Ob Ericson ein strenger Chordirigent ist, vermag er nicht zu beurteilen. "Als Dirigent hat man immer eine innere Vorstellung: So will ich es hören. Und diese innere Konzeption ist natürlich durch reiche Erfahrung und verschiedene Impulse bestimmt. Aber man verändert auch die Auffassung jedes zehnte Jahr."</P><P>Mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks hat er jetzt ein sehr anspruchsvolles Programm unterschiedlichster Stilarten von Schütz bis Reger erarbeitet. "Wir singen unter anderem einige Stücke, die für den Chor neu sind; u. a. eine ziemlich lange Komposition von Aron Copland über die Schöpfungsgeschichte." Ericson liebt abwechslungsreiche Programme, denn: "Das gehört auch zu einem professionellen Chor, wirklich von Chorstil zu Chorstil gehen zu können und diese Stücke zu erobern." <BR></P>

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