Ich will meine eigene Tosca suchen

- "Ich sehe Tosca weniger als Diva, sondern vielmehr als Menschen. Dieses ganze Divengehabe, damit kann ich mich selbst überhaupt nicht identifizieren. Es sind vor allem die großen Emotionen und die Zerbrechlichkeit, die dahinter liegt, die mich bei dieser Figur interessieren." So der klare Standpunkt von Hélène Bernardy bei einem Gespräch zwischen den Endproben zu Puccinis "Tosca", die heute beim Opernfestival auf Gut Immling im Chiemgau Premiere hat. Regie bei dieser Neuproduktion führt Verena von Kerssenbrock, die musikalische Leitung liegt in den Händen von Cornelia von Kerssenbrock.

"Man ist schnell in einer Schublade drin."Hélène Bernardy

Die Arbeit mit einem rein weiblichen Produktionsteam ist dabei für Bernardy durchaus keine neue Situation. Bereits bei ihrem Rollendebüt vor wenigen Monaten hat die belgische Sopranistin - die unter anderem bei José van Dam studiert hat und seit 1998 fest am Opernhaus von Chemnitz engagiert ist - Puccinis Heroine gemeinsam mit einer Regisseurin konzipiert. "Das war eine spannende Erfahrung. Vielleicht weil eine Regisseurin doch ein tieferes Verständnis für diese unglaublich vielschichtige Frauenfigur hat, die man gar nicht so einfach erklären oder gar verstehen kann. Diese Partie und die starken Emotionen glaubhaft darzustellen, ist sicher eine große Herausforderung, macht aber auch sehr viel Spaß."Eine Traumrolle für jede Sängerin also, bei der sich die Frage nach Vorbildern fast erübrigt. "Es gibt natürlich viele große Kolleginnen, die ich bewundere, aber ich höre nur sehr wenige Aufnahmen. Ein bisschen am Anfang, um eine Idee vom Stück zu bekommen, aber letztlich will ich meine eigene Tosca suchen und finden. Und diese Tosca ist auch von Produktion zu Produktion anders. Ich liebe es, intensiv mit den Kollegen zu proben, sich dabei langsam kennenzulernen und gemeinsam etwas Neues zu entwickeln. Mit jedem Partner ist das anders, und es macht Freude, bei der Probenarbeit auch an sich selbst immer wieder neue Aspekte zu entdecken."Auf Gut Immling hat sich Hélène Bernardy bereits vor sechs Jahren als Mimi in Puccinis "La Bohème" vorgestellt. Die Rolle der Tosca ist für die Sängerin nach Erfolgen im deutschen Repertoire, etwa als Senta im "Fliegenden Holländer", nun ein willkommener Ausflug ins italienische Fach. "Man ist sehr schnell in einer Schublade drin, vor allem wenn man Wagner singt. Dann darf man gerade noch einmal ,Fidelio’ singen und manchmal etwas Strauss. Ich habe zwar auch schon die Aida oder Santuzza in ,Cavalleria rusticana’ gesungen, aber Tosca, das ist noch einmal etwas ganz anderes. Da fühle ich mich wohl. Auch stimmlich liegt die Partie sehr gut für mich. Manchmal glaube ich, ich könnte fast zwei Toscas an einem Tag singen."Auch in Zukunft will Hélène Bernardy sich nicht auf ein bestimmtes Fach festlegen lassen. Dafür gibt es noch zu viele Rollen auf ihrem Wunschzettel. "Es ist seltsam, aber nach französischem Repertoire werde ich zum Beispiel fast nie gefragt. Auch da gibt es noch so viele Partien, die mich interessieren. Aber das hat Zeit, ich stehe ja noch ganz am Anfang."

Weitere Vorstellungen 3., 7., 9., 14., 16.7., 22.7.; Karten: 0180/ 504 66 54, info@gut-immling.de; www.gut-immling.de; Gut Immling bei Halfing, ab dort und Bad Endorf Zubringerbus.

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