Mit Willensstärke

- Die Buchheims: Schulter an Schulter sitzen sie vor einem alten Bauernhaus und malen. 1935. Die Mutter gibt dem Ambiente etwas Leuchtendes, Südliches im lichten Aquarell. Der Sohn, gerade 17 Jahre alt, bannt eher grauen Existenzialismus in Öl. Ein ander Mal arbeiten sie zusammen an einer verfallenen Fabrik: Sozialer Notstand in aller Härte und abgehobener Farbgebung kommt dabei heraus. Es sind diese Vergleiche, die die Ausstellung spannend machen. Eigentlich aber hat Lothar-Günther Buchheim die Präsentation in der Feldafinger Maffei-Villa seiner Mutter Charlotte über 40 Jahre nach ihrem Tod als Huldigung gewidmet. Die Malerin (1891-1964) war selbst eine aufrührerische Frau, und der Geist der Opposition ist es, der bis heute in der Familie spürbar bleibt.

Blumenbilder, Porträts, Landschaften - an sich ist daran heute nichts mehr exzeptionell. Zu Charlotte Buchheims Zeit war es aber keineswegs eine Selbstverständlichkeit, als Tochter aus gutem Hause der Kunst zu frönen. Die Akademie verweigerte den Frauen den Zutritt, Charlotte nahm privaten Unterricht in Dresden bei Ferdinand Dosch und Johannes Ufer. Sie formten zunächst die lichtüberfluteten Interieurs mit, aber auch ihre Akribie im Kreide- und Kohle-Porträt, wo sie in meisterhaften Linien, sanften Auflösungen, effektvollen Schattierungen und mit Weißhöhungen zu einer Pointierung der Charaktere kam. Die Malerin lud dafür Arbeiter, Dienstmänner oder alte Frauen mit stechendem Blick ins feine Chemnitzer Haus. <BR><BR>Dass sie als allein erziehende und geschiedene Mutter zweier Söhne auch in schlechten Zeiten zur Malerei stand und manchen Museumsdirektor das Fürchten lehrte, zeugt von Willensstärke. Von frühen Naturstudien über Blumenpracht bis hin zu freieren, farbintensiveren Landschaften - ab 1942 in Feldafing - wird die Bandbreite dieser Mallust gezeigt. Dass sie Lothar-Günther Buchheim als Kind als Bündelung von Trotz in wenigen, gezielten Strichen charakterisierte, hat sich bewahrheitet. So wie der Sammler, so war auch die Mutter, ungeachtet aller Stilrichtungen und Meinungen, nie vom eigenen Weg abzubringen. <P>Bis 30.1., Fr.-So. 14-18 Uhr. Katalog: 6,50 Euro. Tel. 081 58/ 99 70 60. <BR></P><P> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Es ging alles mit rechten Dingen zu“
München - Die AfD im Bundestag, die Große Koalition geplatzt, Angela Merkel mit der einzigen Option, nun mit FDP und Grünen eine Koalition bilden zu müssen – diese Wahl …
„Es ging alles mit rechten Dingen zu“
Wim Wenders eröffnet Festival in San Sebastián
Der deutsche Regisseur Wim Wenders hat zum Start der 65. Filmfestspiele von San Sebastián sein Liebesdrama „Submergence“ vorgestellt. In den Hauptrollen spielen Alicia …
Wim Wenders eröffnet Festival in San Sebastián
Plaudern in Zeiten der Cholera
David Bösch eröffnete mit seiner Inszenierung von Maxim Gorkis Drama „Kinder der Sonne“ die Spielzeit am Münchner Residenztheater. Lesen Sie hier unsere Premierenkritik. 
Plaudern in Zeiten der Cholera
Erst hart, dann virtuos: Schwergewichte im Garage Deluxe
Mit Onslaught und Artillery geben sich am Mittwoch zwei Schwergewichte des europäischen Thrash-Metal die Ehre im Münchner Rockclub „Garage Deluxe“. Am Freitag lässt …
Erst hart, dann virtuos: Schwergewichte im Garage Deluxe

Kommentare