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Damals, 1979: William Shatner (r.) als Captain James T. Kirk, Commander des Raumschiffes Enterprise, und Leonard Nimoy als Crewmitglied Spock vom Planeten Vulkan.

Mehr als nur die Enterprise

Captain aus Leidenschaft: William Shatner wird 85

Los Angeles - Als Commander des Raumschiffs Enterprise kennen ihn alle, er selbst hat sich längst damit abgefunden der ewige Captain Kirk zu sein. Doch die Karriere von William Shatner hat viel mehr zu bieten. Am 22. März wird er 85.  

Als am 3. Juni 1969 in den USA die letzte Episode von „Star Trek“ ausgestrahlt wird, ist William Shatner am Ende. Die erste Produktion, in der er als Star firmiert, ist mangels Zuschauerinteresse eingestellt worden, seine Frau lässt ihn sitzen und nimmt das gesamte Ersparte mit. Shatner ist 38 und lebt im Wohnwagen. Aber entmutigen lässt er sich nicht. Shatner ist ein unverwüstlicher Optimist, das ist sein Talent und seine Qualität. Er verkrampft nie, er verliert nie den Humor, und das merkt man ihm an.

Geboren wird er am 22. März 1931 im sinnenfrohen Montréal in der kanadischen Provinz Quebéc als Sohn osteuropäisch-jüdischer Einwanderer. Und es mag sein, dass ihn die Jugend im polyglotten, vibrierenden, lebenszugewandten Montréal ihn prägt, jedenfalls spricht Shatner immer sehr liebevoll von seiner Heimatstadt, obwohl er schon sehr, sehr lange in Los Angeles lebt.

Früh schon entscheidet sich der gutaussehende Shatner Schauspieler zu werden, und es läuft anfangs gut für ihn. Er landet in Edelproduktionen wie „Die Brüder Karamasow“ oder „Das Urteil von Nürnberg“. In Nebenrollen, aber immerhin. Er ist kein Virtuose und weiß das auch ganz genau. „Wenn mir Kritiker vorwerfen, ich könnte nicht besonders gut spielen – dann haben sie vielleicht sogar Recht“, meint Shatner damals fröhlich und genießt das Leben im Showgeschäft.

Bald hat er den Ruf des notorischen Schürzenjägers, der es nicht schafft, einfach an einer Frau vorbeizugehen, ohne sie anzuquatschen. Die Liste seiner Eroberungen ist lang und wird unübersichtlich als er in „Raumschiff Enterprise“ seine erste Hauptrolle ergattert. Als der Kuss zwischen Captain Kirk und der schwarzen Partnerin Nichelle Nichols landesweite Debatten auslöst, haben die beiden schon längst eine Affäre hinter sich. Leonard Nimoy, als Mr. Spock kongenialer Partner Shatners in der Serie, wird später sagen: „Das Großartige an William Shatner ist, dass er seinem Beruf mit immenser Leidenschaft nachgeht. Allem anderem aber leider auch.“

Die zwei gegensätzlichen Herren kommen anfangs nicht zurecht und sind froh, dass sie sich nach dem Ende der Serie nicht mehr sehen müssen. Aber als „Raumschiff Enterprise“ Ende der 70er-Jahre aufgrund des sensationellen Erfolgs von „Star Wars“ in die Kinos kommt, begegnet man sich wieder und arrangiert sich. Es wird sogar eine Art Männerfreundschaft. Nie frei von Konkurrenzdenken, aber immer geprägt von aufrichtigem Respekt. Mit den „Star Trek“-Filmen beginnen für Shatner die guten Zeiten.

Zuvor ist er manchmal tagelang nicht aus dem Bett gekommen und sah sich als Versager, nun drehte er auf. Er veröffentlicht Bücher, Platten und tritt mit grandioser Selbstironie in Filmen auf. In den 80ern hat er in „TJ Hooker“ mit dem mutmaßlich affigsten Haarteil der Fernsehgeschichte noch einmal einen Hit und wird endgültig Kult, obwohl er mitunter bedenklich oft zur eigenen Karikatur wird.

Aber Shatner lässt sich nicht beirren, macht weiter und feiert dann tatsächlich mit der Anwaltsserie „Boston Legal“ als gewissenloser Hallodri-Advokat noch einen Triumph. Längst hat sich Shatner mit seinem Dasein als ewiger Captain Kirk abgefunden, und niemand macht bessere Witze darüber als er selbst. Er ist sich immer treu geblieben, hat den Regeln des Geschäfts getrotzt und ist dennoch präsent.

Eine erstaunliche Karriere eines bemerkenswerten Stehaufmännchens. Möge sie noch lange anhalten.

Zoran Gojic

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