Willkommene Fingerübung

- Allzu oft wird es Zubin Mehta noch nicht widerfahren sein, dass ihn ein junger Solist vor dem Konzert erst einmal fest an die Hand und mit ihm gemeinsam den Begrüßungsapplaus entgegennahm. Eine Geste freundschaftlicher Verbundenheit nach dem Motto: Das stemmen wir jetzt gemeinsam.

Tschaikowsky als verblüffender Wettkampf<P>Der junge Mann, der sich das traut, heißt Lang Lang, wird in diesem Jahr 23 Jahre alt und zählt zu den weltbesten Nachwuchspianisten. In den Gasteig ist der seit seinem 14. Lebensjahr in Amerika lebende Chinese gekommen, um mit den Münchner Philharmonikern unter Zubin Mehtas Dirigat Tschaikowskys erstes Klavierkonzert zu spielen. Ausverkauft das Auditorium, und wer hier ist, wird Zeuge einer gänzlich neuen Tschaikowsky-Interpretation.<BR><BR>Bemerkenswert ist die Unverkrampftheit und gleichzeitige Ernsthaftigkeit, mit der Lang Lang Tschaikowsky zu Leibe rückt. Die so populären wuchtigen Akkorde, mit denen er sich in den Eröffnungssatz einzumischen hat, sind kernig und eigensinnig. Vital-frech und zugleich mit einer eleganten Anschlagskultur gestaltet Lang Lang das Wechselspiel mit dem Orchester. Aberwitzig die Tempi, die er den donnernden virtuosen Akkorden aufzwingt. Für Lang Lang scheint das geradezu eine willkommene Fingerübung.<BR><BR>Eigenwillig auch seine wilde Tempogestaltung im scherzoartigen Mittelteil des Andantinos, in dem er zugleich eine ausgesprochen lyrische Leichtigkeit verströmt. Das ungestüme Finale wird zum temperamentvollen Wettkampf zwischen Lang Lang und den hier etwas wuchtig agierenden Philharmonikern. Verblüffend Lang Langs müheloses, technisch perfektes Spiel und die teils überraschenden dynamischen Gegensätze, mit denen er diesem Konzert eine besondere Lebendigkeit verleiht.<BR><BR>Nach der Pause Strawinskys Bilder aus dem heidnischen Russland. Doch "Le sacre du printemps" (Das Frühlingsopfer) gehörte an diesem Abend in seiner monumentalen Klangstruktur irgendwie einer anderen Welt an.</P>

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