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Willy Astor schwelgt sichtbar in dem wohligen Gefühl, mit Orchester auftreten zu können.

Konzertkritik

Willy Astor im Circus Krone: Sinfonie der Donnersbergerbrücke

Willy Astor und das Münchner Rundfunkorchester spielten gemeinsam im Circus Krone.

Man darf ohne Weiteres glauben, dass es einer der schönsten Augenblicke im Leben von Willy Astor ist: 36 Jahre nachdem er an der Volkshochschule erste Gitarrenstunden genommen hatte, steht er nun mit dem Münchner Rundfunkorchester im fast ausverkauften Münchner Circus Krone. Und das spielt seine Kompositionen. Ein langer Weg für Astor, der für seine Wortspielereien und Kalauer bekannt wurde und sich mit seiner „Sounds of the Islands“-Reihe erst über die Jahrzehnte die Aufmerksamkeit des Publikums und den Respekt der Kritik erspielen musste. Jetzt also Orchester, große Bühne, Fernsehaufzeichnung.

Astor bleibt trotzdem locker, so wie man ihn kennt, und nimmt sich zwischendrin sogar eiskalt die Zeit, in aller Seelenruhe seine Gitarre zu stimmen („Wieder mal die H-Saite“) oder fröhlich seine Band vorzustellen, als wäre es ein ganz normales Konzert. Ist es natürlich nicht, denn das Orchester hängt sich unter Leitung von Christian Elsässer mächtig rein, und das ist in gewisser Hinsicht das Problem.

Technisch und klanglich ist das Rundfunkorchester über jede Kritik erhaben, die Frage ist nur, ob hier wirklich zusammengekommen ist, was zusammengehört. Denn die oft luftig-fragilen Miniaturen Astors wirken in den großen Orchesterfassungen mitunter etwas überladen. Gelegentlich akzentuieren die einzelnen Sektionen des Orchesters sehr wirkungsvoll die Stücke, vor allem die Bläser. Etwa beim Hohelied auf die Donnersbergerbrücke in München-Neuhausen, der „Golden Gate für Arme“. Aber auch in diesem sehr gelungenen Arrangement übertönen die Bläser dann doch Astors Stimme.

Der schwelgt sichtbar in dem wohligen Gefühl, mit Orchester auftreten zu können, ist aber am stärksten, wenn er, unterstützt von seinen alten Bandkumpanen, eher leise, verträumte Töne anschlägt, gelegentlich mit exotischen Einsprengseln garniert. Wenn das Orchester aufdreht, fühlt man sich hingegen unwillkürlich an Musik für einen Film erinnert und ist nicht sicher, ob es einer ist, den man gerne sehen würde. Eine interessante Erfahrung ist es – und mutmaßlich eine einmalige. Glaubt man Willy Astor, ist das alles einfach zu teuer.

Zoran Gojic

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