Amy Winehouse von Grammy-Segen überwältigt - Fünf Auszeichnungen

Los Angeles - Die mit Drogen- und Alkoholproblemen kämpfende britische Sängerin Amy Winehouse ist bei der Grammy-Verleihung mit einem wahren Preissegen überschüttet worden. Die 24-Jährige erhielt bei der Gala am Sonntagabend in Los Angeles fünf der begehrten Musikpreise, unter anderem für die Aufnahme des Jahres, den Song des Jahres und für das beste Pop-Album.

Der amerikanische Rapper Kanye West, mit acht Nominierungen Top-Favorit, konnte immerhin vier Trophäen ergattern. Zahlreiche Legenden der Rock- und Popgeschichte verliehen der Veranstaltung zum 50-jährigen Jubiläum der Grammys Glanz.

Winehouse, die derzeit eine Entziehungskur macht, nahm an der Gala nicht persönlich teil. Sie wurde mit wächsernem Gesicht aus London live zugeschaltet. "Es ist eine Ehre, hier zu sein. Danke Ihnen sehr, sehr", sagte sie mit tonloser Stimme. Die britische Sängerin war insgesamt für sechs Grammys nominiert. Nur den Preis für das Album des Jahres erhielt sie nicht - er ging stattdessen überraschend an US-Jazzlegende Herbie Hancock für seine CD "River: The Joni Letters". "Sie wissen ja, dass es 43 Jahre her ist, seit ein Jazz-Künstler zum ersten und einzigen Mal diesen Preis bekommen hat", sagte Hancock überwältigt.

Die CD "Graduation" von Rapper Kanye West wurde zum besten Rap- Album gekürt, der Song "Stronger" zum besten Soloauftritt eines Rappers und "Good Life" zum besten Rap-Song. West ehrte seine vor kurzem gestorbene Mutter Donda mit dem emotional vorgetragenen Song "Mama". Er hatte sich das Wort auch in den Hinterkopf rasiert.

Altrocker Bruce Springsteen erhielt drei Preise, unter anderem für die beste Rocksingle "Radio Nowhere". Zum besten Rockalbum des Jahres wurde "Echoes, Silence, Patience & Grace" von der Band Foo Fighters ernannt.

Einen umjubelnden Auftritt zum 50. Jubiläum der wohl bedeutendsten Musikpreise der Welt hatten Rock-Ikone Tina Turner und R&B-Star Beyoncé Knowles. In eng anliegenden, silberfarbenen Outfits sangen sie Turner-Klassiker wie "What's Love Got To Do With It". Auftritte hatten auch Aretha Franklin, Ringo Star, Stevie Wonder, Cindy Lauper und Tony Bennett.

Alicia Keys nahm den Preis für ihren Hit "No One" als beste R&B- Single aus den Händen von Popstar Prince entgegen. Sie hatte den Galaabend im Staples Center mit dem Duett "Learnin' the Blues" eröffnet - gemeinsam mit einer schwarz-weißen Videoprojektion von Frank Sinatra. "Frank Sinatra sah gut aus für seine 150 Jahre, oder?", scherzte Prince. Um den Auftritt von Amy Winehouse hatte es im Vorfeld ein langes Rätselraten gegeben. Zunächst war unklar, ob sie aus gesundheitlichen Gründen überhaupt reisen sollte. Zudem verweigerten ihr die US- Behörden wegen ihrer Drogenabhängigkeit anfänglich ein Einreisevisum. Obwohl sie die Papiere schließlich bekam, blieb sie - wie es hieß - aus "logistischen Gründen" in London.

Von dort wurde sie aus einem plüschig-roten Club mit Fanpublikum zugeschaltet. Blass und in sich gekehrt gab sie den Hit "Rehab" zum Besten - ihre trotzige Absage an eine Entziehungskur. Als ihr fünfter Preis für die CD "Back To Black" bekanntgegeben wurde, verlor sie beinahe die Fassung.

Trotz des Jubels im Publikum wandte sich die 24-Jährige mit zuckendem Gesicht ab und vergrub den Kopf erst an der Schulter eines Musikers, später lehnte sie sich lange an ihre Mutter. "Für meine Mutter und meinen Vater, für meinen Blake, meinen eingesperrten Blake, und für London", sagte sie mit Hinweis auf ihren Mann Blake Fielder-Civil, der derzeit wegen Körperverletzung im Gefängnis sitzt.

Die Gala-Veranstaltung wurde im Fernsehen übertragen. Sie war von dem noch laufenden Streik der Hollywood-Autoren ausgenommen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Kontrastprogramm zur Wiesn: Am Donnerstagabend hat Neil Diamond die Olympiahalle mit seiner Coolness beehrt. Eine Kritik.
Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Der Mut-Lacher
Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelang Philippe de Chauveron ein Riesenerfolg. Nun setzt de Chauveron einen drauf: In „Hereinspaziert!“ übernimmt Christian …
Der Mut-Lacher
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Sting hat in seinem Musikerleben Songs geschrieben, die heute noch so gut funktionieren wie 1983 oder 1995. Davon macht er in der Olympiahalle Gebrauch - und seine Fans …
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Das Münchner Lenbachhaus zeigt in der Ausstellung „Normalzustand“ deutsche Undergroundfilme, die zwischen 1979 und den frühen Neunzigerjahren entstanden sind. 
Im Lenbachhaus geht der Punk ab

Kommentare