Mit Winke-Winke aus dem Amt

- Aus. Die Festspiele sind aus. Die Saison der Bayerischen Staatsoper ging zu Ende - wie in jedem Jahr mit einer Aufführung der "Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner. So auch an diesem 31. Juli 2006. Der war von der Atmosphäre her allerdings ein wenig anders als der 31. Juli in den Vorjahren. Heuer standen die Zeichen auf Abschied. Und die Zuschauer im ausverkauften Haus waren bereit zu grenzenlosem Jubel.

Mit dem Dirigat der "Meistersinger" verabschiedete sich Zubin Mehta nach achtjähriger Amtszeit als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper. Ein Liebling des Publikums, verehrt von Sängern und Musikern. Jetzt gab er noch einmal ein Beispiel seiner schier unerschöpflichen, künstlerischen Vitalität. Das waren "Meistersinger" wie aus einem Guss. Aus dem Graben schillerte in aller Deutlichkeit die Partitur in ihrer ganzen Vielschichtigkeit auf: deutsche Komödie und bürgerliches Selbstbewusstsein, die Zartheit und verdeckte Tragik in den Gefühlen sowie die Aggressivität der Macht. Standing Ovations für den charmanten Maestro, als wollten ihn die Zweitausend im Parkett und auf den Rängen nicht gehen lassen.

Beifall in Orkanstärke und Huldigung durch ein sich spontan von seinen Sitzen erhebendes Publikum bereits nach dem zweiten Akt. Die Begeisterung galt dem Sänger Kurt Moll, der erst kürzlich seinen Abschied von der Opernbühne bekanntgegeben hatte. Nun sang er, der erstmals 1973 auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters gestanden hat, als eine Art "Habet Dank" an Zuschauer und Kollegen die kleine Partie des Nachtwächters. "Lobet Gott, den Herrn", heißt's bei Wagner. Im speziellen Fall kann damit nur Kurt Moll gemeint sein, der mit seinem einschmeichelnden Sarastro-Bass und der feinen Ochs-Komik das i-Tüpfelchen auf die Luxus-Besetzung dieser "Meistersinger" setzte.

Peter Seiffert als Stolzing, Matti Salminen als Pogner, Jan-Hendrik Rootering als Sachs - drei Schwergewichte des Wagner-Gesangs, überzeugend in jeder Weise. Im dritten Akt kam sogar Spannung auf in der Beziehung zwischen Sachs und Stolzing, was in dieser lahmen Langhoff-Inszenierung nicht selbstverständlich ist. Die strahlende Adrianne Pieczonka als Eva, der muntere Eike Wilm Schulte als ewiger Beckmesser, der fidele Kevin Conners als David und alle anderen, dazu der fabelhafte Staatsopernchor dienten an diesem Abend nicht nur Hausgott Wagner, sondern auch ihrem Dirigenten Mehta und dem sich nach 13 Jahren verabschiedenden Intendanten Peter Jonas.

Auch für ihn Standing Ovations von allen Seiten. Damit das auch optisch etwas hergibt, hatte die Staatsoper nach der zweiten Pause auf jeden Zuschauersitz ein weißes Taschentuch gelegt - mit den Namen Mehta und Jonas sowie den Signets ihrer Ära. Allgemeines Winke-Winke.

Am Ende der Vorstellung betrat Kunstminister Thomas Goppel die Bühne, um "danke" zu sagen und die Ernennung Jonas' und Mehtas zu Ehrenmitgliedern der Bayerischen Staatsoper zu verkünden. Es waren wohl die Taschentücher, die den Minister dazu inspirierten, angesichts des Leitungswechsels die Bayerische Staatsoper als Tränenpalast zu bezeichnen. Lob ist gut und angebracht. Lobhudelei aber kann fatal sein. Wie Goppels Eloge auf das Duo Jonas/ Mehta: "Das waren Zeiten, wie wir sie nicht wieder kriegen."

Also sind die, die nun kommen werden, weniger wert? Was für ein Affront gegenüber Mehta-Nachfolger Kent Nagano. Welch eine Instinktlosigkeit im Umgang mit Klaus Bachler, den Goppel doch höchstselbst zum Jonas-"Erben" berufen hat. "Verachtet mir die Meister nicht": Das gilt auch für die zukünftigen Staatsopern-Chefs.

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