"Wir beugen uns niemandem"

- Der Traum von Ehrenpräsident Walter Jens hat sich erfüllt: Die 300 Jahre alte Berliner Akademie der Künste ist an ihren historischen Standort am Pariser Platz zurückgekehrt. "In Augenhöhe mit der Macht", wie es Akademie-Präsident Adolf Muschg formulierte, ist am Samstag in Anwesenheit der höchsten Repräsentanten des Staates der 56 Millionen Euro teure Neubau neben dem Brandenburger Tor und in Sichtweite von Reichstag und Kanzleramt nach fünfjähriger Bauzeit feierlich eröffnet worden. Muschg nahm den von Günter Behnisch entworfenen Neubau aus Glas und Stahl mit dem programmatischen Ausruf "Es lebe die Republik!" in Besitz.

Die Künstlergemeinschaft mit 370 in- und ausländischen Mitgliedern wird vom Bund mit jährlich 18 Millionen Euro finanziert.<BR><BR>Bundeskanzler Gerhard Schröder erinnerte in seiner Ansprache an die Blütezeit der Preußischen Akademie der Künste unter ihrem von den Nazis vertriebenen Präsidenten Max Liebermann in den 20er-Jahren und an das Versagen der Künstlergemeinschaft in der Diktatur. Bundespräsident Horst Köhler sieht sich als Verbündeter der Künstler. Ihn bewege aber der Gedanke, ob er in Kunst und Kultur Verbündete finde bei der Suche nach Fragen, die die Gesellschaft bewegen.<BR><BR>Der ungarische Schriftsteller und frühere Akademie-Präsident György Konrad postulierte selbstbewusst das Credo der Künstlergemeinschaft: "Wir beugen uns niemandem! Wir haben niemand über uns, es sei denn den Herrgott. Wir sind frei, schrecklich frei." Bewegend auch der Auftritt von Walter Jens. Da wurden Erinnerungen an stürmische Zeiten wach, als er mit Heiner Müller gegen heftige Widerstände die Vereinigung der West- und Ost-Berliner Akademie zum Erfolg führte. Und heute: "Welch eine Chance zum großen Neuanfang!"<BR><BR>Die will aber auch genutzt sein. Es gibt nicht wenige Stimmen, die in der Akademie in der Vergangenheit eher einen "Honoratiorenclub" als eine umtriebige und aufmüpfige Institution sahen. Der Erwartungsdruck auf die Künstler mit dem Umzug an die prominente Adresse ist groß. Es ist nicht nur die "Gute Stube" der Stadt, wie es Bürgermeisterin Karin Schubert in Vertretung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit sagte, der sehr zum Ärger der Akademie dem Festakt ferngeblieben war. Mit der gläsernen Fassade zwischen Hotel Adlon und der künftigen US-Botschaft werden die Künstler auch verstärkt unter den Augen der Öffentlichkeit beweisen müssen, dass die Hauptstadt und die Bundesrepublik diese Akademie brauchen. <BR><BR>

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