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„Eine stolze Summe“ erwartet Wolfgang Heubisch von privater Seite für den Konzertsaal.

„Wir tun nicht zu viel für München“

München - Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) hält am Kongresssaal als Standort für einen möglichen neuen Münchner Konzertsaal fest. Im Interview äußert er sich erstmals zu Plänen mit dem Stadttheater Augsburg.

Mariss Jansons, Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters, findet den Finanzgarten als Standort für einen Konzertsaal sehr gut. Das Kuratorium des Deutschen Museums, das den Verwaltungsrat bestimmt, lehnt den Standort Museumsinsel ab. Haben Sie Angst, dass Ihnen die Variante Kongresssaal bald um die Ohren fliegt?

Wir warten die Machbarkeitsstudie ab, und dann sprechen wir über die Sache. Auch mit den Gegnern. Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass der Verwaltungsrat des Deutschen Museums zugestimmt hat. Ich kann doch nicht schon im Vorfeld sagen: „Oh Gott, es gibt Gegenwind, also streich’ ich die Segel.“ Der Kongresssaal ist ein super Standort für den neuen Konzertsaal – gerade wenn ich mir die Museumsinsel mit ihrem Baumix und dem vernachlässigten Kongressgebäude anschaue.

Ein Fünftel der Bausumme soll von privater Seite kommen. Ist das nicht zu optimistisch gedacht? Die Privaten haben sich bei Prinzregenten- und Cuvilliéstheater sowie bei der Pinakothek der Moderne engagiert. Irgendwann kann doch diese Quelle nicht mehr so sprudeln...

München hat sechs Dax-Unternehmen und eine wohlhabende Bürgerschicht. Wenn für die Hamburger Elbphilharmonie 64 Millionen Euro von privater Seite kommen, dann werden wir doch gerade in München wohl auch noch eine stolze Summe zusammenbekommen.

Und wie bekommen Sie das Kuratorium auf Ihre Seite?

Indem ich, wenn ich die Machbarkeitsstudie habe, mit vernünftigen Argumenten diskutiere. Da wird momentan vieles emotional verklärt und teilweise völlig falsch dargestellt. Im Kongresssaal war doch noch nie eine Abteilung des Museums beheimatet. Das Deutsche Museum hat diesen Saal Anfang der Neunzigerjahre sogar verkauft, unter anderem war dort ein eher dritt- bis viertklassiges Kino. Gut, die 3D-Filme waren toll, ich war mit meinen Kindern drin. Aber was den historischen Anspruch angeht, wundere ich mich schon, wenn jetzt so getan wird, als würde dem Museum mit einem Konzertsaal etwas geraubt. Es gibt Mitglieder im Kuratorium, die vor zwanzig Jahren schon dabei waren und eigentlich über all das Bescheid wissen müssten, gerade auch was die Zerstörung von denkmalgeschützten Inneneinrichtungen betrifft...

Kann man nicht auch bayernweit Stimmen verlieren, wenn man zu viel für München tut?

Ich glaube nicht, dass wir zu viel tun. Man sollte schon beachten, was alles für die verschiedenen Landesteile unternommen wird. Nur ein Beispiel: Es gibt zehn nichtstaatliche Orchester, die wir massiv unterstützen. Die Bad Reichenhaller Philharmonie würde nicht mehr existieren, wenn wir nicht als Freistaat eingesprungen wären.

Sie haben Nürnberg zum Staatstheater gemacht, die Bamberger Symphoniker sind Staatsphilharmonie. Da fehlt doch ein Landesteil: Wird das Theater Augsburg auch Staatstheater?

Ich habe das einmal als Idee formuliert. Das Modell in Nürnberg wurde zusammen mit der Stadt und unter ihrer Mitfinanzierung erarbeitet. Klar ist, wir können kein Staatstheater schaffen, ohne dass die Qualität stimmt. Was Peter Theiler, der Nürnberger Intendant, und Ballettdirektor Goyo Montero oder auch Kusenberg im Schauspielhaus liefern, das ist einfach klasse. Ähnliches gilt für die Bamberger Symphoniker. In Nürnberg stimmt das Umfeld, in Augsburg fehlt das, da ist es schwer für die Intendantin.

Ganz so leicht haben’s die Augsburger nicht. Die Spielstätten müssen umgebaut werden, die Bausubstanz ist in einem desolaten Zustand. Da stimmen die Voraussetzungen für Qualität ja gar nicht.

Wir engagieren uns schon finanziell bei diesen Sanierungsmaßnahmen. Außerdem übernehmen wir die dortige Staats- und Stadtbibliothek. Wir tun also wirklich einiges. Das dortige Textil- und Industriemuseum, eine hervorragende Institution, ist ebenfalls eine Einrichtung des Freistaats. Auch im universitären Bereich passiert eine Menge.

Demnächst beginnen die Bayreuther Festspiele. Es gibt Probleme in der jetzigen Umbruchsituation. Bereut der Freistaat im Nachhinein, den beiden Halbschwestern die Leitung anvertraut zu haben?

Nein. Wenn man die Chance hat, mit der Familie Wagner Bayreuth weiterzuentwickeln, auch an sehr exponierter Stelle, dann muss man das tun. Die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung werden nächstes Jahr aktuell. Die eigentliche Schwierigkeit ist aus meiner Sicht die sehr komplexe Viererkoalition aus Bund, Freistaat, Stadt und den Freunden von Bayreuth. Da müsste man ab nächstem Jahr mit allen Beteiligten eine Diskussion über eine Optimierung führen.

Es gäbe trotzdem die Möglichkeit, einem Mitglied der Familie Wagner einen familienfremden Intendanten zur Seite zu stellen...

Personalentscheidungen in der Kunst werden immer kontrovers diskutiert. Wenn ich mir allein vorstelle, wie viele Leute Nikolaus Bachler damals nicht in München haben wollten. Und heute führt er eines der weltweit erfolgreichsten Opernhäuser. Da meldet die Oper Frankfurt, sie habe 6,3 Millionen Euro Einnahmen – und die Münchner Oper nimmt 39,5 Millionen ein. Ich muss auch den Mut haben, eine Sache durchzuziehen. Grundsätzlich gilt für jeden Theaterchef: Wir müssen uns auf Neues einlassen und ihr oder ihm Zeit zugestehen.

Interview: Matthias Kristlbauer, Markus Thiel, Andreas Zimniok.

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