„Wir sind keine Hippies“

München - Die Red Hot Chili Peppers haben eine Jam-Session in der ausverkauften Olympiahalle gespielt. Lesen Sie hier die Konzertkritik:

Als Anthony Kiedis „Under The Bridge“ schrieb, den bis dato größten Hit der Red Hot Chili Peppers, da war Josh Klinghoffer gerade mal elf Jahre alt. Nun steht Klinghoffer auf der Bühne mit den Chili Peppers, und schon nach wenigen Tönen wird klar, dass er mehr ist als ein Ersatz-Konzertgitarrist für John Frusciante, der die Band 2008 wohl endgültig verließ.

Klinghoffer, mittlerweile 32 Jahre alt, rückt schon beim instrumentalen Intro zu „Monarchy of Roses“ ganz nah an Bass-Großmeister Flea heran. Das soll wohl zeigen: „Wir gehören zusammen.“ Klinghoffer hat einen anderen Stil als sein Vorgänger, er spielt vielleicht nicht ganz so filigran, verzerrt die Gitarre aber umso schöner. Er haut mächtig in die Saiten, ist aber auch in der Lage, sie sanft zu streicheln, wenn es sein muss, etwa bei „Under The Bridge“. Klinghoffer ist letztlich auch ein wesentlicher Grund dafür, dass die Chili Peppers wieder funkiger klingen. Das zeigt sich sowohl bei neuen Stücken wie „The Adventures Of Rain Dance Maggie“ als auch bei Klassikern wie „Blood Sugar Sex Magik“.

Überhaupt räumen die Red Hot Chili Peppers ihrer Vergangenheit viel Raum ein. Das jüngste Album „I’m With You“ füllt lediglich das Programm auf. Warum auch nicht? Die Band hat das Format, nur die Stücke herauszupicken, die sie spielen mag. Wer etwa auf „Otherside“ hofft, wartet in der ausverkauften Olympiahalle vergeblich. Dafür hauen einem die Chili Peppers das gute, alte „Soul To Squeeze“ auf die Ohren, ein Stück von Blues-Legende Robert Johnson – und unzählige Soli von Flea, Klinghoffer und Drum-Maschine Chad Smith. „Wir sind keine Hippies“, sagt Flea irgendwann, „aber wir lieben es zu jammen“. Der gute Mann ist so schnell auf seinem Bass, dass einem schwindelig wird, wenn man ihm auf den ziemlich coolen Monitoren zuschaut.

Frontmann Kiedis tritt mit Truckermütze und Schnauzbart auf – meint der das wirklich ernst? Natürlich johlen die Mädels, wenn er sein Shirt auszieht und seinen durchtrainierten Körper zeigt. „Californication“ singt er mit einer bemerkenswerten Intensität, und sonst hüpft er wieder in dem ihm eigenen Tanzstil irgendwo zwischen Bruce Lee und Capoeira über die Bühne. Er ist jung geblieben, dieser Anthony Kiedis, 49, so jung wie Josh Klinghoffer tatsächlich ist. Sie passen eben doch ganz gut zusammen.

Thierry Backes

Rubriklistenbild: © dpa

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